Was ist AuDHS
Wenn ADHS und Autismus zusammenwirken
Manche Menschen lesen über ADHS und denken: Ja, das erklärt vieles. Dann lesen sie über Autismus und merken: Das auch. Und plötzlich passt nicht nur eine Beschreibung, sondern zwei. Für viele ist genau das erst einmal irritierend. Ist das AuDHS oder was bedeutet der Begriff? Muss man sich entscheiden, gibt es ADHS und Autismus zusammen, also gleichzeitig? Oder ist diese Mischung schlicht ein Hinweis darauf, dass neurodivergente Erfahrungen oft komplexer sind als eine einzelne Schublade?
In diesem Beitrag erfährst du warum sich manche Erfahrungen nicht eindeutig einordnen lassen – und genau das Sinn ergibt.
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Coaching für Hochbegabung mit Marina
Keiner denkt so wie ich …? Genau dieses Gefühl von Anderssein verbindet viele Hochbegabte. Im meinem Coaching findest du den Raum, in dem du verstanden wirst.
Kann man ADHS und Autismus gleichzeitig haben?
Ja, ADHS und Autismus können gleichzeitig auftreten und gemeinsam diagnostiziert werden. Merkmale beider Neurodivergenzen können sich überlagern, verstärken oder teilweise verdecken. Dadurch wirkt das Erleben mitunter widersprüchlich – etwa wenn ein starkes Bedürfnis nach Struktur auf Ablenkbarkeit, Impulsivität oder den Wunsch nach Abwechslung trifft.
Gerade dieses Zusammenspiel macht die eigene Funktionsweise oft schwer einzuordnen. Manche Menschen erkennen lange nur einzelne Seiten ihres Erlebens oder erhalten zunächst nur eine der beiden Diagnosen. Für ihr gemeinsames Auftreten hat sich inzwischen ein eigener Begriff etabliert.
Was ist AuDHS?
AuDHS bezeichnet das gemeinsame Auftreten von Autismus und ADHS. Der Begriff verbindet Autismus mit der deutschen Abkürzung ADHS, ist jedoch keine eigenständige medizinische Diagnose, sondern eine alltagsnahe Kurzform. Er beschreibt eine Kombination, bei der Merkmale beider Neurodivergenzen zusammenwirken, sich verstärken, gegenseitig verdecken oder je nach Situation unterschiedlich deutlich zeigen können.
AuDHS kommt häufiger vor, als viele denken
Ein erheblicher Teil autistischer Menschen zeigt zusätzlich deutliche ADHS Merkmale. In einer vielzitierten Übersicht wird von etwa 50 bis 70 Prozent gesprochen (Hours et al., 2022). Umgekehrt erfüllen laut einer DSM-bezogenen Übersicht etwa 15 bis 25 Prozent von Kindern und Jugendlichen mit ADHS auch Kriterien für Autismus (Ramtekkar, Reiersen and Todorov, 2017).
AuDHS: gezielt weiterlesen
Was AuDHS individuell bedeutet, ist je nach Lebenssituation unterschiedlich. Deshalb findest du bei Coachiba eigene Beiträge zu ADHS und Autismus bei Erwachsenen, speziell bei Frauen oder im beruflichen Umfeld sowie einen Selbsttest zur ersten Orientierung.
AuDHS bei Erwachsenen
Wie sich die Kombi ADHS und Autismus zusammen jenseits von Schulkontext und Kinderdiagnostik zeigt – in Selbstbild, Energiehaushalt, Beziehungen und Alltagssteuerung.
AuDHS bei Frauen
Masking, soziale Anpassung und Gründe für späte Diagnosen. Warum viele Frauen erst spät verstehen, dass nicht “nur Stress”, “nur Sensibilität” oder “nur Chaos” hinter ihrem Erleben steckt, sondern womöglich eine lange übersehene neurodivergente Kombination (Cook et al., 2024; Attoe and Climie, 2023).
AuDHS im Beruf
Warum Arbeit bei AUDHS oft nicht an Kompetenz scheitert, sondern an Reizdichte, Priorisierung, sozialer Passung, Kontextwechseln und Selbststeuerung.
AuDHS Selbsttest
Eine erste Hilfe, um eigene Muster einzuordnen, wenn ADHS und Autismus gleichzeitig auftreten – kein Ersatz für eine fachliche Diagnostik.
Die Idee hinter dieser Blog-Reihe ist einfach: weniger Schubladendenken und mehr realitätsnahe Orientierung für Menschen, die nicht nur wissen wollen was AuDHS eigentlich ist, sondern die ihre besonderen Stärken und Herausforderungen verstehen und einordnen wollen.
Warum AuDHS lange übersehen wurde
Lange galt: entweder Autismus oder ADHS
Frühere Diagnosekriterien sahen nicht vor, Autismus und ADHS gleichzeitig zu diagnostizieren. Das änderte sich erst 2013 mit der neuen Ausgabe eines international einflussreichen psychiatrischen Diagnosehandbuchs. Die alte Entweder-oder-Sicht wirkt trotzdem teilweise bis heute nach. Oft wurde deshalb nur das auffälligere Muster erkannt – und der Rest blieb unerklärt.
Zu enge Vorstellungen
ADHS galt lange als etwas, das vor allem laute, impulsive Jungen betrifft. Bei Autismus dachte man an den stillen, zurückgezogenen Jungen mit wenig Blickkontakt, festen Routinen und ausgeprägten Spezialinteressen. Wer nicht in diese Bilder passte, wurde leicht übersehen.
Bei Frauen oft noch schwerer zu erkennen
Frauen und Mädchen fallen häufig weniger deutlich auf. Nicht unbedingt, weil sie weniger belastet sind, sondern weil sich ADHS Symptome bei Frauen tatsächlich anders zeigen, sie besser beobachten, ich stärker anpassen und Schwierigkeiten überspielen. Dieses Masking kann nach außen erstaunlich gut funktionieren – kostet aber viel Kraft. Zudem orientieren sich viele Diagnosekriterien bis heute eher an männlich geprägten Erscheinungsformen.
Wer nicht laut, impulsiv oder auf eine erwartbare Weise autistisch wirkt, bleibt deshalb schneller unter dem Radar. (Cook et al., 2024; Belcher et al., 2023; Attoe and Climie, 2023)
Wie sich ADHS und Autismus zusammen anfühlen können
ADHS und Autismus zusammen sind nicht einfach „ein bisschen ADHS plus ein bisschen Autismus“. Viele erleben die Kombination als eine besondere innere und oft widersprüchliche Logik.
Manche Merkmale ähneln sich, andere ziehen scheinbar in entgegengesetzte Richtungen. Im Alltag lässt sich oft kaum sagen, was gerade woher kommt.
Viele erleben vor allem Bedürfnisse, die sich nur schwer gleichzeitig erfüllen lassen:
Struktur brauchen, aber nicht halten können
Feste Abläufe geben Sicherheit. Gleichzeitig machen es Aufmerksamkeit, Zeitgefühl und Organisation schwer, diese Strukturen im Alltag zuverlässig aufrechtzuerhalten.
Neues wollen, Veränderungen schwer aushalten
Abwechslung kann anziehend sein und neue Energie bringen. Sobald eine Veränderung unerwartet kommt oder zu viele Anforderungen mit sich bringt, wird sie jedoch schnell anstrengend.
Tief eintauchen, Alltägliches verlieren
Interessen können viel Raum einnehmen und eine intensive Konzentration ermöglichen. Parallel bleiben Termine, Routinen oder kleine organisatorische Aufgaben leichter liegen.
Austausch suchen, Rückzug brauchen
Gespräche und Begegnungen können spannend sein. Soziale Unklarheit, viele Reize oder die ständige Anpassung an andere kosten jedoch oft mehr Kraft, als von außen sichtbar ist.
Diese Beschreibungen sind keine Diagnosekriterien und treffen nicht auf alle Menschen gleichermaßen zu. Sie zeigen, wie eng sich autistische und ADHS-typische Merkmale im Alltag verbinden können.
Warum eine differenzierte Diagnostik wichtig ist
Die Forschung legt nahe, dass ADHS und Autismus zwar getrennte Konstrukte sind, aber zusammen in Wechselwirkung treten können (Waldren et al., 2024). Das erklärt, warum manche Merkmale von ADHS und Autismus von außen ähnlich aussehen, obwohl dahinter nicht immer dieselben Auslöser, Bedürfnisse oder Belastungen stehen.
Eine gute Diagnostik fragt deshalb nicht nur: ADHS oder Autismus? Sie prüft auch, ob beides zusammen vorliegt, und betrachtet dafür die Entwicklung seit der Kindheit, unterschiedliche Lebensbereiche und das gesamte persönliche Profil. Das ist nicht nur für die Diagnose wichtig, sondern auch dafür, welche Unterstützung im Alltag tatsächlich hilft.
Eine Diagnose erklärt viel. Aber sie löst noch nichts.
Endlich ergibt vieles Sinn: die Überforderung, die Widersprüche, das Gefühl, trotz aller Anstrengung nie wirklich passend zu funktionieren. Doch Verstehen allein macht den Alltag nicht leichter.
Ich, Marina Bernardo, begleite Menschen, bei denen einfache Erklärungen nicht reichen. Weil ADHS, Autismus, hohe kognitive Fähigkeiten und berufliche Verantwortung nicht sauber nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig beeinflussen. Gerade im Beruf und in Führung zeigt sich schnell, welche Strategien wirken – und welche nur vernünftig klingen.
Im AuDHS Coaching sortieren wir nicht nur Symptome. Wir finden heraus, was dich Kraft kostet, was du wirklich brauchst und welche Veränderungen spürbar etwas bewirken.
Nicht noch mehr Anpassung. Sondern individuelle Lösungen, die zu dir passen und auch dann funktionieren, wenn es anspruchsvoll wird.
Verstehen war der Anfang. Jetzt geht es darum, etwas zu verändern.
Im AUDHS Coaching entwickeln wir gemeinsam Lösungen, die zu deiner Reizverarbeitung, deiner Aufmerksamkeit, deinem Strukturbedarf und deiner Art zu arbeiten passen. Nicht als Theorie. Sondern für deinen Alltag, deinen Beruf und deine Verantwortung.
Du musst dich nicht weiter allein durch widersprüchliche Bedürfnisse von AuDHS und Autismus, Überforderung und gut gemeinte Standardlösungen kämpfen.
Quellen zu AUDHS
1Attoe, D.E. and Climie, E.A. (2023) Miss. Diagnosis: A Systematic Review of ADHD in Adult Women. Journal of Attention Disorders, 27(6), pp. 421–438.
2Belcher, H.L., Morein-Zamir, S., Stagg, S.D. and Ford, T. (2023) Gender bias in autism screening: measurement invariance of different model frameworks of the Autism Spectrum Quotient. The British Journal of Psychiatry, 223(4), pp. 575–582.
3Cook, J., Hull, L., Crane, L. and Mandy, W. (2024) Improving Diagnostic Procedures in Autism for Girls and Women: A Narrative Review. Neuropsychiatric Disease and Treatment, 20, pp. 669–692.
4Hours, C., Recasens, C. and Baleyte, J.-M. (2022) ASD and ADHD Comorbidity: What Are We Talking About? Frontiers in Psychiatry, 13, Article 837424.
5Ramtekkar, U.P., Reiersen, A.M. and Todorov, A.A. (2017) DSM-5 Changes in Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Autism Spectrum Disorder: Implications for Comorbid Sleep Issues. Children, 4(8), Article 62.
6Waldren, L.H., Leung, F.Y.N., Hargitai, L.D., Burgoyne, A.P., Liceralde, V.R., Livingston, L.A. and Shah, P. (2024) Unpacking the overlap between Autism and ADHD in adults: A multi-method approach. Cortex, 171, pp. 1–15.
AuDHS Coaching
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Von Marina Bernardo
Gründerin von Coachiba, hat selbst ADHS und ist als Unternehmerin für Innovation ausgezeichnet.
Alle Coachiba Blogbeiträge sind selbst verfasst, regelmäßig aktualisiert und umfangreich recherchiert.



