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Julia Birner über Vereinbarkeit für Mütter für Kinder und Karriere

Im Gespräch

Julia Birner über Karriere mit 2 Kindern

Über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, betriebliche Maßnahmen und eine Karriere als Mutter mit 2 Kindern. Julia Birner wurde bereits mit 25 Führungskraft und mittlerweile Personalleiterin. Als sie 10 Jahre später Mutter wird, will sie für ihre Tochter „alles richtig“ machen, plant 2 Jahre Elternzeit. Und erlebt „ich kann einfach nicht ohne meine Arbeit! Mir fehlt etwas, um weiterhin ich selbst zu sein.“ Was sie noch Unerwartetes erlebt hat und wie sie es lösen konnte, erfährst du hier!

Dieses Interview ist eine Antwort (es kommen dazu noch weitere Interviews!) auf LeserInnen-Rückfragen: Geht Vereinbarkeit nur, wenn man sie beruflich selbst bewirken kann? Heißt, als Selbstständige oder in der höchsten Führungsebene?

Denn in meinen bisherigen Interviews, haben viele Top ManagerInnen und InhaberInnen ihre persönlichen Lebensmodelle für Kind und Karriere vorgestellt. In meinen Beratungen rundum Vereinbarkeit für Eltern mit Karriere und Arbeitgeber, geht es jedoch um alle Mitarbeiterebenen. Denn nein, du bist nicht ausschließlich auf deinen Arbeitgeber oder die Top-Ebene angewiesen. Schreib mich dazu gerne an. Hier im Blog bekommst du Inspirationen und Denkanstöße durch andere Lebensmodelle und Erfahrungen.

Interview

Marina: Deine Tochter ist etwas über 2 Jahre alt. Theoretisch wärest du gerade erst jetzt zur Arbeit zurückgekehrt. Du arbeitest allerdings schon seit 1,5 Jahren wieder. Was ist passiert?

Julia: Ich liebe meinen Job! Ich fühle mich bei der Arbeit, wie in meiner zweiten Familie. Und als das weggefallen ist, hat mir etwas Wichtiges gefehlt. Ich möchte für meine Tochter da sein, aber eben auch mental gefordert sein und an den für mich beruflich wichtigen Themen dranbleiben!

Betriebliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit für Familie und Beruf

Marina: Was ist dann passiert?

Julia: Bereits als ich schwanger war, hat meine Chefin toll reagiert. Sie hat sich ehrlich für mich gefreut und mit mir gemeinsam geplant, was wir umstrukturieren können, damit ich nach den 2 Jahren Elternzeit, in Teilzeit in meine Führungsposition zurückkehren kann.

Als sich mein Plan bezüglich der 2 Jahre geändert hat, wusste ich, ich kann mit ihr darüber sprechen. Ich wusste, um früher zurück zu kommen, finden wir gemeinsam eine Lösung.

Marina: Ich nehme an, so kurzfristig hattest du keinen Kitaplatz und eine alternative Betreuung war wahrscheinlich auch noch nicht vorgesehen?

Julia: Richtig, das hätte ich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht gewollt. Meine Kleine war ca 6 Monate alt und ich wollte nur so viel arbeiten und vor allem so flexibel arbeiten, dass ich sie weiterhin selbst versorgen kann. Also habe ich gearbeitet, wann es mir mit Baby eben möglich war. Meist, wenn sie geschlafen hat. Daher habe ich mich für 10-15 Stunden im Monat entschieden.

Aber auch diese „wenigen“ Stunden haben es mir ermöglicht, am Team und an den Themen dranzubleiben und weiterhin aktiv zu sein.

Aber auch mein Mann hätte sich gut vorstellen können selbst Elternzeit zu nehmen und war sogar ein bisschen enttäuscht, dass ich diese 2 Jahre komplett für mich beansprucht habe. 🙂

Wer geht in Elternzeit?

Marina: Spannend. Das Setup zuhause ist ein so wichtiger Faktor bei der Vereinbarkeit. Was hat euch gemeinsam davon abgehalten, dass dein Mann Elternzeit nimmt?

Julia: Wir haben offen über das Thema gesprochen. Wie wird es mit Kind weitergehen, welche Erwartungen und Ziele hat jeder von uns. Er hat sofort angeboten ebenfalls die Elternzeit, oder auch einen Teil davon, mit unserer Tochter zu Hause zu verbringen.

Am Ende wollte ich jedoch die kompletten 2 Jahre mit meiner Kleinen genießen und auch das war für ihn vollkommen in Ordnung.

Ich bin sehr dankbar einen Mann an meiner Seite zu haben, der mich so unterstützt.

Naja und ganz leer ausgegangen ist er auch nicht, er hat natürlich die 2 Monate Partnerelternzeit sehr intensiv genutzt. 🙂

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Marina: In Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf hast du eine wirklich schöne Ausgangslage. Mittlerweile einen Kitaplatz für deine Tochter. Einen Mann, der aktiv mitwirken möchte, einen Arbeitgeber, der dir den Rücken freihält und mit dir flexible Lösungen gestaltet. Geht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nur so?

Julia: Sagen wir mal, es hilft ungemein. Wie du es auch im Blog beschreibst, es gibt jedoch fast immer Optionen. Aber ja, wir Frauen müssen häufig dafür kämpfen. Das heißt, sich nach Optionen umschauen, sich Hilfe holen und dranbleiben, um Veränderung zu bewirken.

Daher bin ich wirklich froh, dass meinem Arbeitgeber meine Bedürfnisse als Mitarbeiter wichtig sind und ich somit einen einfachen und positiven Wiedereinstieg nach der Elternzeit hatte.

Aber auch in meiner Ausgangslage hatte ich Aha-Momente, die ich so überhaupt nicht erwartet habe. Ich dachte ich habe alles perfekt organisiert. Warum nur fällt anderen Karriere mit Kindern überhaupt schwer – ja, ich weiß jetzt auch, Hochmut kommt vor dem Fall –  und dann habe ich erfahren, welche Herausforderungen auf mich zukommen  können, wie zb. Kitaöffnungszeiten oder Krankheitswellen, um nur 2 davon zu nennen.

Ich war tatsächlich an meinem offiziellen ersten und  zweiten Arbeitstag nach der Elternzeit, zurück in meiner Leitungsposition krank. Mama krank, Kind krank – und zwar so richtig. Es kommt gefühlt täglich etwas Unerwartetes hinzu, für das ich eine Lösung finden muss. Vereinbarkeit live.

Stichwort Flexibilität

Marina: Was war daran das Schwierigste?

Julia: Meine eigene Enttäuschung und diese Erkenntnis – auch die beste Vorbereitung hilft nur bedingt etwas. Denn es kommt mit Kind doch alles anders als erwartet und geplant. Gerade bzgl. meinem ersten Arbeitstag nach der Elternzeit, war es eine große Herausforderung: Ich habe mich gefreut und habe auf den Tag hin gefiebert. Ich war mir sicher ich werde das rocken – und dann kam es doch anders als gedacht.

Ich habe mich auch sehr intensiv mit mir und meinen Zielen beschäftigt und es war wirklich harte Arbeit, das auf meine neue Lebenssituation zu übertragen und anzunehmen. Herauszufinden was mir wichtig ist,  wie z.B. Qualität statt Quantität. Nicht den ganzen Tag bei meinem Kind zu sein, aber dafür die gemeinsame Zeit zu 100% zu genießen und zu nutzen.

Marina: Ohja, die Ziele sind in vielen meiner Elternberatungen ein ganz wichtiger Punkt. Selbst in guten Ausgangslagen, für sich die Veränderungen anzunehmen und dennoch zielgerichtet Lösungen zu gestalten und sie dann auch wirklich umzusetzen. Wie wichtig ist deine Flexibilität dabei?

Julia: Ich glaube Flexibilität geht immer in beide Richtungen. Wenn ein Arbeitgeber flexibel ist, bringe auch ich Flexibilität mit. Hätte man mich nur woanders gewinnbringend einsetzen können, nach meiner Elternzeit, dann hätte ich das gemacht.

Oder zB. wenn das Kind krank ist einerseits für es da zu sein, aber wenn es schläft oder es möglich ist, doch noch was zu erledigen.

Marina: Flexibilität mitbringen, gerade auch bezüglich einer möglichen Versetzung und sich dennoch nicht wegen dem Muttersein degradieren zu lassen und weniger zu akzeptieren. Ich denke darauf müssen insbesondere Mütter genau achten.

Gibt es denn noch etwas, was du wünschtest, du hättest es vor deiner Karriere mit Kind gewusst?

Julia: Das ist eine gute Frage.

Ich glaube wenn man sich klar geworden ist, welche Prioritäten man in Sachen Kind und Beruf hat und sich mit seinen Zielen und Erwartungen für sich und seine Familie beschäftigt, ist man mit sich selbst im reinen.

Naja so fällt es mir zumindest leichter, die immer wieder neuen, gefühlt über Nacht aufgetretenen Herausforderungen zu meistern.

Für mich war es wichtig zu erkennen, dass es immer gut ist Ratschläge oder Tipps zu bekommen, man aber am Ende so entscheiden sollte, wie es für einen selbst am besten passt. Ob nun direkt wieder arbeiten, oder nach der Elternzeit – ob wieder zu 100% oder wie in meinem Fall in einer Teilzeitlösung, oder einfach die Zeit dauerhaft zu Hause mit seinem Kind zu verbringen. Es ist alles toll, solange es zu einem passt und man damit glücklich ist.

Vielen herzlichen Dank fürs Teilen deiner ganz persönlichen Erfahrungen, Julia Birner!

Deine Marina Eltern und Karriere Coaching

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