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Wie entsteht eine sichere Eltern Kind Bindung

Wie entsteht eine sichere Bindung?

Was brauchen unsere Kinder?

Eine sichere Bindung ist die Basis, die Kinder brauchen, um sich gut zu entwickeln. Aber wie entsteht eine sichere Bindung? Die Eltern Kind Bindung wird früh gestartet und beeinflusst die kindliche Entwicklung erheblich. Das ist wissenschaftlich erforscht und bestätigt.

Du findest hier die Erkenntnisse aus Studien und Artikeln:

Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht
Wie entsteht eine sichere Bindung?
Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht
Welches Bindungsverhalten zeigen Eltern und Kinder?
Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht
Was du als Elternteil tun kannst, um sichere Bindung zu ermöglichen!
Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht
Durch was zeichnet sich sichere und unsichere Bindung aus?
Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht
Und warum fällt uns Eltern optimales Bindungsverhalten sehr viel schwerer, als wir es gerne hätten?

Mit Beispielen und Tipps! Im bald folgenden Teil 2 geht es weiter zur Bindung mit weiteren Bezugspersonen und was das für Fremdbetreuung und den Beruf oder die Karriere mit Kindern bedeutet.

Phasen der kindlichen Entwicklung

Fokus Kinder

Es wird in Suchmaschinen häufiger nach den Bedürfnissen von Hunden gesucht, als nach den Bedürfnissen von Kindern. Denn wir glauben zu wissen, was Kinder brauchen. Das muss aber nicht unbedingt richtig sein. Dementsprechend ist es wichtig, das Wissen zu hinterfragen und sich mit der Forschung und der Literatur dazu zu befassen.

Was ist Eltern Kind Bindung?

Um die Frage zu beantworten, möchte ich dir die Bindungstheorie vorstellen. Auf Englisch die „Attachment Theory“. John Bowlby, Mary Ainsworth und James Robertson haben diese maßgeblich geprägt.

Die Inhalte der Forschung sind für Erziehung als Attachment Parenting (AP) bekannt geworden und im Deutschsprachigen Raum, als bedürfnisorientierte Erziehung zu finden.

John Bowlby …

Ich starte mit vielen Informationen von John Bowlby zur Bindungstheorie. Die Informationen stammen aus seinen Büchern „A secure Base“ und „The Making and Breaking of affectional Bonds“. Die Quellenangaben findest du alle am untenstehenden Ende der Seite – unter den Tipps.

Bowlby war Kinderpsychiater und Psychoanalytiker und wollte die Wirkungen von Familieneinflüssen und deren generationsübergreifende Weitergabe von Beziehungsverhalten untersuchen.

Er machte bereits in den 1930er Jahren Beobachtungen, dass verhaltensauffällige Jugendliche und junge Erwachsene in jungen Jahren häufig suboptimale Beziehung zur Mutter erlebt haben. Dauraufhin erforschte er was Bindung und Verlust für Auswirkungen auf das spätere Leben haben.

Er stellte viele wegweisende Beobachtungen und Theorien auf, die in weiterführenden Studien Bestätigung und Vertiefung fanden. Einige Auszüge der Erkenntnisse zeigen folgendes:

Bindungsverhalten bei Kindern

Das Bedürfnis nach Bindung

ist bei Babys bereits angeboren und damit ein biologisches Grundbedürfnis.

Bindungsverhalten bei Kindern

Eine sichere Eltern Kind Bindung

erlaubt dem Kind Entwicklung: zu lernen. Es gewinnt durch die Bindung überhaupt erst das Vertrauen, die Welt um sich zu erforschen.

Bowlby ging ursprünglich noch davon aus, dass alleine die Mutter dafür verantwortlich sei. Und Unterbrechungen im Kontakt zu ihr zu vermeiden wären. Das ist jedoch wiederlegt.

Bindungsverhalten bei Kindern

Das zuverlässig prompte und fürsorgliche Verhalten der Bindungspersonen

meist Eltern (ursprünglich bezogen auf Mütter), ist die Basis für die sichere Bindung. Vor allem im ersten Lebensjahr, aber auch deutlich darüber hinaus. Dies wird vielfach in der damaligen, aber auch aktuellen Forschung betont (Bowlby, Ainsworth, Grossmann und vielen weiteren).

Bowlby beschreibt das Elternsein außerdem als einen ernstzunehmenden und sehr intensiven 24-Stunden Job. Er betont, dass in anderen Kulturen, vor allem Mütter, sehr viel mehr Unterstützung bekommen.

Phasen der kindlichen Entwicklung

Die Hauptbezugsperson ist in den meisten Fällen die Mutter.

Klaus & Karin Grossmann erforschen ab 1980: auch Väter und Menschen außerhalb der Familie können enge Bindungspersonen oder auch die Hauptbindungsperson werden. Das heißt Eltern, vor allem Mütter, dürfen sich sehr gerne entlasten, ohne sich Vorwürfen diesbezüglich stellen zu müssen.

Vorausgesetzt, die weiteren Bezugspersonen reagieren empathisch und prompt auf die Signale des Babys und werden lange genug und mit Sicherheit aneinander gewöhnt.

Denn bereits Babys erkennen wer empathisch auf sie eingeht. Das ist für sie überlebensnotwendig, daher binden sich Babys an Personen mit dieser Kompetenz.

In Teil 2 zur Bindung wirst du mehr dazu erfahren, vor allem auch aus den Erkenntnissen durch Langzeitstudien zur Frühbetreuung (NICHD & NUBBEK: Qualität der Kinderbetreuung in Deutschland und mehr).

Bindungsverhalten bei Kindern

Das früh angelegte Bindungsmuster

von 12-18 Monate alten Babys wird voraussichtlich auch den späteren Erwachsenen noch begleiten (Mary Ainsworth).

Allerdings kann dies im Laufe des weiteren Lebens weiterhin beeinflusst werden. Und ein bspw. zur Mutter unsicher gebundes Kind, kann eine sichere Bindung zum Vater und/oder anderen Bindungspersonen aufweisen (Gloger-Tipelt et al., 2007). Das macht die Ergebnisse und Auswirkungen der Bindung nicht eindeutig vorhersehbar. Die Resilienzforschung befasst sich sehr stark mit individuellen Kontributionen, die zusätzlich hineinspielen. Kombinierte tiefergehende Literatur findest du bspw. von Brisch & Hellbrügge (2015).

Definition Bindungsverhalten

Was ist Bindungsverhalten also überhaupt?

Bowlby beobachtete, dass Mütter sich ganz natürlich an ihre Babys anpassen. Das Kind gibt mit seinen Signalen seinen Bedarf vor und die empathische Bindungsperson erfüllt die Bedürfnisse als Reaktion darauf. Das ist ganz wichtig, auch wenn es sich erstmal sehr banal anhört.

Im Englischen heisst das übrigens Bonding! Dort ist ein sprachlicher Vorteil gegeben, da das Bindungsverhalten der Eltern eben mit Bonding beschrieben wird und das der Kinder Attachment heisst. Im Deutschen sprechen wir bei beidem von Bindung.

Bindungsverhalten von Kindern – Attachment

Ein Kind kann ohne Bezugsperson nicht überleben. Im Vergleich zu anderen Säugetieren, ist es lange völlig abhängig von seinen Eltern oder stellvertretenden Bindungspersonen. Wäre es in der menschlichen Vergangenheit irgendwo liegen gelassen worden und alleine gewesen, wäre es sein sicherer Tod. Dementsprechend liegt es in unserer Natur als Babys und auch bei Kindern, eine uns vertraute, verlässliche Person, dicht bei uns zu haben und uns nur dann sicher zu fühlen.

Schutz suchen Babys und Kinder vor Gefahren, Fremden, unbekannten Dingen und neuen oder angsteinflößenden Situationen!

Bei Säuglingen fühlen sich auch körperliche Bedürfnisse, wie Hunger und Durst, zu Anfangs wie lebensbedrohliche Situationen an. Sie müssen diese Gefühle erst noch kennenlernen.

Lange erreichen Kinder den geforderten Schutz nur, durch physische Nähe zu einer Bindungsperson. Deswegen fordern sie diese so vehement ein!

Bindungsverhalten von Babys und Kindern wird daher häufig als Nähe suchend beschrieben: Arme in Richtung der Eltern ausstrecken, schreien, weinen, hinlaufen oder festklammern.

Mental Load Liste

Subtilere Anzeichen gibt es auch!

Denn wir Menschen verfügen über ein sehr ausgeprägtes Ausdrucksverhalten und eine starke Mimik. Die Muskelspannung also der Muskeltonus, zeigt sich im Gesicht, am Kiefer, dem Blick und bei Babys auch schon sehr früh an beispielsweise angespannten Fäustchen.

Zustandsveränderungen, wie einsetzende Unruhe, sich ändernde Aufmerksamkeit sind weitere frühe Anzeichen.

Bindungsverhalten von Eltern – Bonding

Bonding und Attachment starten schon in der Schwangerschaft. Heute weiss man schon sehr viel mehr darüber und trennt Babys nach der Geburt nicht mehr von den Müttern, was lange Zeit üblich war.

Der sofortige und weiterhin verfügbare Körperkontakt nach der Geburt, vor allem mit nackter Haut, ist für Mama und Baby sehr wichtig.

Für bspw. frühgeborene oder kranke Kinder, die nach der Geburt von der Mutter getrennt werden müssen, ist der weitere Beziehungsaufbau besonders wichtig. Auch für die Mutter, denn dieser Verlust kann es auch für sie schwierig machen den Bezug zum Baby zu bekommen.

Deswegen sind in Neonatologien (Versorgungseinheiten für Frühgeborene oder kranke Neugeborene) Bonding-Maßnahmen an der Tagesordnung, man nennt sie dort auch Känguruhen. Maßgeblich bestehen diese aus Körperkontakt, am besten jeweils mit nackter Haut. Diese verbessern unter anderem die Überlebenschancen von Frühgeborenen erheblich. Da auch meine beiden Kinder Frühchen sind und mein erstes Kind einige Wochen auf der Neonatologie verbrachte, wurde ich in dem Zuge intensiv darüber aufgeklärt.

Erinnere dich:

die prompte und feinfühlige Reaktion von Eltern auf die Bedürfnisse von Säuglingen ist sehr wichtig.

Es gibt Schätzwerte:

beim Hungergefühl von Babys geht man davon aus, dass diese erst weinen, wenn sie seit knapp 10 Minuten Hunger haben und auch schon Anzeichen dafür signalisiert haben.

Säuglinge legen jedoch die ursprünglichen Signale ab, wenn diese keinen Erfolg bringen und gehen dann schneller zum Weinen über.

Lerne die Signale deines Babys zu deuten!

Welches heutzutage tatsächlich eine Herausforderung ist:

Mental Load Liste
Und heutzutage sieht man vor seinem eigenen Kind häufig wenig andere Säuglinge so intensiv, dass man bereits ein Gefühl für typische Baby-Verhaltensmuster erlernen konnte.
Mental Load Liste
Leider ist auch die Kompetenz des frühen Erkennens der Bedürfnisse bei den Eltern nicht so weit verbreitet, dass wir diese erleben, selbst wenn wir bereits mit Babys zu tun hatten.

Mach dir also bitte keine Vorwürfe, wenn du hier Verbesserungsmöglichkeiten erkennst.

Exklusives Coaching für die ganze Familie

Verhaltensbeispiele von Eltern: wie eine sichere Bindung entsteht

High Need Baby, Schreibaby was tun?

Kommunikation & Berührung

Idealerweise sprichst du und deine PartnerIn in der Schwangerschaft bereits viel mit dem Baby. Hoffentlich könnt ihr auch gleich nach der Geburt zusammen bleiben und einfach mit nackter Haut kuscheln.

Gesunde, neugeborene Babys schaffen es übrigens bereits selbstständig vom Bauch zur Brust zu robben für ihr erstes Nuckeln.

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Kuscheln mit nackter Haut

Das Baby gerne auch später so häufig wie möglich mit jemandem einfach mal Bauch an Bauch aneinander kuscheln lassen. Geht auch mit dem Papa wunderbar. Das fördert die Ausschüttung des Bindungshormones Oxytocin.

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Stillen

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Punkt mit aufnehme. Aber Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme und die biologisch angedachte Lösung, um den Bedarf nach Nähe und Nahrung zeitgleich zu erfüllen.

Wenn du aus welchen Gründen auch immer eine Flasche geben möchtest oder eventuell musst, dann kannst du dich an einer stillenden Haltung orientieren und deinem Kind dabei viel Körper- und Blickkontakt und Nähe ermöglichen.

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Tragen

Bereits sehr kleine Babys kann man im Tuch tragen. Dafür empfiehlt sich eine Trageberatung. Tragen ist auch sehr gut geeignet, um weitere Bindungspersonen mit deinem Kind vertraut zu machen und andersherum.

Der Tragende hat beide Hände frei und das Kind immer bei sich. Das ist ein weiterer wichtiger Aspekt in der Bindung, denn die Berührung und das „nicht alleine sein“ bedeuten die maximale Absicherung für ein Baby.

Viele Kleinkinder werden darüber hinaus immer noch gerne getragen. Wenn du das möchtest, ist eine Rückentrage für dich die körperschonendere Variante.

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Blickkontakt

mit deinem ist Baby sehr wichtig. Schau es an, lerne seine Signale in seinem Ausdruck kennen.

Das ist übrigens auch wichtig, wenn du dein Kind „transportierst“. Beispielsweise im Kinderwagen, in der Trage oder im Auto. Für dein Kind ist es in neuen Situationen und unbekannter Umgebung wichtig, dich sehen zu können.

Dein Baby / Kind nimmt darüber hinaus auch wahr, ob es deine ungeteilte Aufmerksamkeit hat oder eben nicht. Die Handynutzung ist hier ein wirklich ernstzunehmender Faktor. Auch beim stillen oder Flasche geben!

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Austausch

Wenn dein Baby etwas älter wird, führt ihr gemeinsame Gespräche. Ihr brabbelt miteinander. Lass dein Baby ausreden und antworte du ihm darauf ganz spielerisch.

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„Ich mag jetzt nicht“

Dein Baby signalisiert dir auch, wenn es Ruhe braucht. Es dreht den Kopf weg und mag nicht mehr essen oder mit dir sprechen. Dann ist das völlig ok und gilt auch noch für ältere Kinder.

Du brauchst dein Baby oder Kind nicht ständig zu animieren. Dein Kind lernt eh am besten, wenn es gerade etwas üben oder lernen will. Daher bringt es gar nichts, seine Aufmerksamkeit zu erzwingen, wenn es gerade Ruhe haben möchte.

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Schlafen

Wäre ein Baby oder Kind unserer Vorfahren zum Schlafen irgendwo alleine abgelegt worden, hätte das den sicheren Tod bedeutet. Demntsprechend besteht gerade beim ein- und durchschlafen häufig ein besonders intensives Bindungsverhalten.

Das heißt, wenn es für Euch irgendwie möglich ist, kann Co-Sleeping (das gemeinsame Schlafen, bspw. im Familienbett oder aber im gleichen Zimmer) ein wichtiger Bindungsaspekt sein.

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Spielen lassen

Wenn dein Baby oder Kind spielt, ist es wichtig es nicht zu unterbrechen. Lass ihm Zeit und sag ihm nicht was es im Spiel tun soll. Das gilt auch für deutlich ältere Kinder.

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Ermutige Selbstständigkeit ohne Zwang

Um zu lernen, findet es am besten vieles selbst heraus. Und zu Neuem darfst du sehr gerne ermutigen, loben und bestaunen.

Du hast sicher auch schon mal gesehen, wieviele Babys und Kinder zuerst schauen, ob ihre Eltern auch wirklich gucken und zusehen, wenn sie etwas Neues machen. Das Strahlen in deinen Augen und der echte Stolz ist für sie unglaublich wichtig.

Perfekt formuliert ist es mit den Worten von Maria Montessori: „Hilf deinem Kind es selbst zu tun.“

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Fördern

Gemeinsames Spielen, denn Babys und Kinder lernen im Spiel. Verschiedene Materialien, Gerüche, Konsistenzen, alles kann spannend sein für ein Baby. Dafür brauchst du nicht mal Spielzeug. Ein Kochlöffel und eine Tupperdose können Wunder bewirken. 🙂

Mental Load Falle, Symptome und Ursachen

Unabhängigkeit & Selbstständigkeit

wünschen sich viele Eltern für ihre Kinder. Doch Bowlby betont:

… dass diese Abhängigkeit von den Eltern real gegeben ist und die umgekehrte Interpretation das Kind unabhängig machen zu „müssen“, das Gegenteil bewirkt.

Umso mehr Druck, du auf das Kind ausübst, eine für es unangenehme Situation möglichst alleine zu überwinden, umso mehr drängst du es in ein Bindungsverhalten.

High Need Baby, Schreibaby was tun?

Zu bindungsverstärkendem Verhalten

mit Kleinkindern und älteren Kindern, erfährst du in meiner Artikelreihe zu Erziehung mehr. In Kürze folgen noch explizite Artikel zur bedürfnisorientierten Erziehung, die auch auf deren mögliche Nachteile eingeht, wenn sie falsch interpretiert wird.

Der Forschungsdrang der Kinder

Bei Kindern und Babys wechseln sich das Bedürfnis nach Bindung und der Forscherdrang ab. Dieser spielt in der Bindungstheorie eine ganz wesentliche Rolle.

Wenn die Batterien des Kindes mit Fürsorge und Liebe gefüllt sind, seine Bedürfnisse befriedigt, dann hat es den Mut, die Energie und den Wunsch, das Leben um sich herum zu erkunden.

Das ist auch ein natürlich angeborenes Bedürfnis. Es ist eine wichtige Basis für das Selbstvertrauen und auch die intrinsische Motivation (die eigene Motivation).

Zu hohe Ansprüche an sich selbst - Perfektionismus abbegen und stress abbauen

Grundbedürfnis Forschungsdrang

Wird dein Kind in seinem Forschungsdrang ausgebremst, ist das für die sichere Bindung ebenso problematisch. Auch dieses Grundbedürfnis muss ausgelebt werden.

Das bedeutet auch, dass du einem Baby oder Kind möglichst nichts abnimmst, was es selbst erledigen kann und möchte. Auch wenn es dann womöglich laaaaaange dauert, bis die Tätigkeit erledigt ist.

Zu hohe Ansprüche an sich selbst - Perfektionismus abbegen und stress abbauen

Schutz vs. einfach mal machen lassen

Dieser Punkt ist in der Kindererziehung gar nicht so einfach: denn wir möchten unser Kind natürlich auch schützen. Abwägen, wann ein nein wirklich notwendig ist zum Schutz des Kindes. Es ist ein Balanceakt, den man manchmal besser und manchmal schlechter hinbekommt.

Prinzipiell ist eine bejahende und vertrauensvolle Umgebung für dein Kind hilfreich, in der du Gefahren bestmöglich absicherst. Wie beispielsweise Kindersicherungen für die Steckdosen.

Definition der verschiedenen Bindungsarten

Der Forschungsdrang der Kinder spielt eine wichtige Rolle beim Test zur Bindung, den Mary Ainsworth entwickelte. Dieser identifizierte verschiedene Arten der Bindung.

Der Test heißt „Fremde Situation“ (Strange Situation Test) und wurde bereits in den 70er Jahren entwickelt. Er ist die Grundlage für viel aufbauende Forschung rundum die Bindungstheorie.

wie entsteht eine sichere Eltern Kind Bindung

Fremde Situations-Test

Der Test bei Kindern zwischen 12 Monaten und 18 Monaten gibt wichtige Auskünfte zu Bindungsarten.

Der Testraum ist gemütlich, aber für das Kind und die Mutter neu. Dann tritt eine fremde Person in den Raum ein, lernt das Kind ein wenig kennen und die Mutter verlässt kurz danach für maximal drei Minuten das Zimmer.

Die fremde Umgebung und das Verlassen der Mutter, löst Unwohlsein aus, wodurch Bindungsverhalten bei den Kindern aktiviert wird. Alle Schritte erfolgen in einem fest definierten Zeitraum und der ganze Test wird per Video dokumentiert.

Der Fokus bei den Beobachtungen liegt vor allem auf dem Trennungsmoment mit der Mutter und der Wiedervereinigung. Diese zeigen das Bindungsverhalten und die Eltern Kind Bindung am deutlichsten.

Es wurden durch den ursprünglichen Test 4 Bindungsarten identifiziert:

wie entsteht eine sichere Eltern Kind Bindung

Sicher gebundene Kinder (B Typ)

Wenn die Bindungsperson den Raum verlässt, ist das sicher gebundene Kind im wahrsten Sinne des Wortes untröstlich. Es weint oder schreit und lässt sich von der fremden Person nicht trösten.

Wenn die Bindungsperson wiederkommt, sucht das Kind Körperkontakt. Es lässt sich in dieser Haltung innerhalb kurzer Zeit beruhigen. Mit der Bindungsperson sind sie dann in der Lage, den Raum zu erkunden und auch mit der fremden Person in Kontakt zu treten.

Man kann anhand von Speicheltests erkennen, dass das Stressempfinden, also der Cortisolspiegel, mit der Bezugsperson abnimmt, da die Koregulation prompt erfolgt.

wie entsteht eine sichere Eltern Kind Bindung

Unsicher-vermeidend gebundene Kinder (A Typ)

Diese Kinder wirken sehr unkompliziert. Sie protestieren nicht großartig, wenn die Mutter den Raum verlässt. Sie widmen sich voll und ganz dem Spielzeug und lenken sich damit vom Stress selbst ab. Allerdings reagieren sie genauso wenig auf die Rückkehr.

Hier hat der Speicheltest eine besondere Aussagekraft. Man weiß dank ihm, dass diese Kinder sehr wohl ein hohes Stressempfinden haben, und dieses leider nicht nach der Rückkehr der Mutter abgeschwächt wird. Es bleibt über mehrere Stunden erhöht.

Woher kommt dieses Bindungsverhalten?

Bindungspersonen gehen nicht feinfühlig auf die Bedürfnisse ein oder weisen die Kinder grob zurück. Ein Baby das weint, „wird nicht verhätschelt“.

Oder die Eltern haben häufig keine Zeit und belohnen quasi das selbstständige Spiel. Die Kinder erkunden ihre Umwelt, haben dabei aber wenig oder keine Rückversicherung der Eltern. Eine Pseudo-Selbstständigkeit wird erzwungen, wie in dem bereits geschilderten Schlaf-Beispiel.

Phasen der kindlichen Entwicklung

Unsicher-ambibvalent gebundene Kinder (C Typ)

Bei der Trennung sind die Kinder sehr verunsichert, ähnlich wie bei der sicheren Bindung. Der Unterschied liegt darin, dass das Kind bei der Rückkehr extrem klammert und sich kaum beruhigen lässt.

Es kann auch die Beobachtung gemacht werden, dass diese Kinder ärgerlich auf die Bezugsperson sind und gleichzeitig hin und hergerissen sind und die Nähe dennoch weiterhin brauchen. Irgendwie wiedersprüchlich. Mit der fremden Person treten sie dann auch in Anwesenheit ihrer Mutter nicht in Kontakt.

Der Speicheltest zeigt auch hier dass die Cortisolwerte, der Stress, auch nach der Rückkehr erhöht bleiben. Da die Stressregulation durch die Beziehungsperson nicht funktioniert hat.

Woher kommt dieses Bindungsverhalten?

Das Kind hat keine Sicherheit, da es unbeständige und unberechenbare Erfahrungen macht. Es weiss nicht woran es ist, und hat echte Angst, dass die Bezugsperson nicht zurückkommt oder unvermittelt wieder geht. Dadurch ich es in seinem Explorationsverhalten eingeschrenkt. Es traut sich nicht, fremde Umgebungen oder Kinder zu erkunden.

Phasen der kindlichen Entwicklung

Kinder mit desorganisiertem Verhaltensmuster (D Typ)

Diese Kinder haben keine klare Strategie was sie tun sollen. Sie fallen durch wirklich bizarre Verhaltensweisen auf: schaukeln, sich im Kreis drehen, Erstarren. Sie können weder mit der Trennung, noch der Rückkehr umgehen. Die Kinder sind gelähmt vor Angst. Der Cortisolspiegel ist ständig erhöht.

Woher kommt dieses Bindungsmuster?

Dies sind häufig Kinder, die Gewalt durch ihre Bezugspersonen erfahren haben. Sie haben eine fürchterliche Ausgangslage, denn sie haben zum einen Angst vor der Bezugsperson. Zum anderen aber sind sie auf sie angewiesen, da diese Person ihr Überleben sichert und sie versorgt.

Phasen der kindlichen Entwicklung

Keine Panik!

Die Identifikation der Bindungstypen beziehen sich auf einen expliziten wissenschaftlichen Test, in einem festgelegten Alter, in einer definierten Umgebung und Vorgehensweise!

Nur weil dein Kind ggf. etwas zurückhaltender ist mit Fremden, sich in neuen Umgebungen nicht gleich wohl fühlt oder aber auch das komplette Gegenteil der Fall ist, heißt das nicht, dass dein Kind unsicher gebunden ist.

Dass das Temperament des Kindes Einfluss auf sein Bindungsverhalten hat, bestätigt auch Zenter (2008).

Rauszufinden ob ein Kind sicher oder unsicher gebunden ist, ist als Elternteil nicht möglich. Bei älteren Kindern und Erwachsenen wird dafür ein Fragebogen von spezialisierten Psychologen verwendet. Das sogenannte Adult Attachment Interview (AAI).

Bindungsverhalten bei Kindern

Warum fällt Eltern Verhalten für eine sichere Bindung schwer?

Zum einen kommt es darauf an, was du das als Baby und Kind selbst erlebt hast, denn das lebst du unbewusst nach. Das nennt sich übrigens transgenerationale Weitergabe. Klaus und Karin Grossmann haben in Kombination mit der Bindungstheorie intensiv dazu geforscht (Grossmann, 1987). Viele weitere aber auch (Verhage et al, 2020).

Gloger-Tippelt et. al geben im Jahr 2000 an, dass im deutschsprachigen Raum zu dieser Zeit lediglich 45% der Kinder sicher gebunden waren. Gehen wir mal davon aus, dass die Zahlen in den Vorjahren ähnlich oder ggf. noch höher waren, dann bedeutet das, dass nicht mal die Hälfte der heutigen Eltern sicher gebunden sind. Das heißt also ein prozentual hoher Anteil an Eltern gibt womöglich unbewusst dieses Verhalten weiter. Wenn daran etwas geändert werden soll, geht das nur über Aufklärung zu diesem Thema.

Ich habe ganz zu Anfangs geschrieben, dass einige unserer Vorstellungen bezüglich der Erziehung womöglich falsch sind. Über Generationen hinweg wurde zum Teil absichtlich falsches Erziehungsverfahren erfolgreich propagiert, das uns auch jetzt noch beeinflussen kann. Dazu empfehle ich dir den Artikel über die schwarze Pädagogik, denn auch unsere heutigen Erwartungen an Erziehung sind häufig stark damit verankert!

Heute wissen wir jedoch, unter anderem dank der Bindungsforschung, dass eine zugewandte Erziehung mit Regeln und Grenzen positiver auf die Entwicklung der Kinder einwirkt.

Das übt jedoch auch eine Menge Druck auf Eltern und Bindungspersonen aus. Denn ja die Aufgabe ein Kind ins Leben zu begleiten, ist eine durchaus große Verantwortung und du legst damit einen wichtigen Grundstein in seiner Entwicklung. Erziehung war evolutionsbedingt jedoch nie eine 1-2 Personen-Show. Bereits bei Jägern und Sammlern wurde die Kinderbetreuung aufgeteilt und man unterstützte sich gegenseitig. Eine Situation von der viele Eltern heute nur träumen

Bindungsverhalten Definition

Ein häufiges Missverständnis!

Das ist jedoch etwas, dass ich im Rahmen der Bindungstheorie nicht unerwähnt lassen möchte: Eltern die alles richtig machen wollen, vergessen häufig sich selbst. Und misinterpretieren darüber hinaus, dass jeder Wunsch ihrer Kinder ein Bedürfnis ist. Und ab dem Alter, wo ein Kleinkind lernt auch mal abzuwarten, zählen alle Bedürfnisse der Familienmitglieder. Nicht nur die des Kindes.

Denn ein Kind kann auch nicht immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Das darf es von seinen Eltern und Bezugspersonen liebevoll und zugewandt lernen. Denn du als Mama oder Papa brauchst auch mal eine Pause.

Bei manchen Kindern geht dies leichter, bei manchen etwas schwieriger. Das ist beispielweise ein regelmäßiges Thema in meinen Elterncoachings. Wie setze ich Grenzen und welche Grenzen kann und möchte ich als Elternteil wirklich wahren?

Wie geht’s weiter?

Du siehst, wie extrem wichtig Bindung für Kinder ist. Das wirft natürlich Fragen auf, wieviele Bindungspersonen ein Kind haben kann.

Was bedeutet die Bindung für die Fremdbetreuung von Kindern?

Und was heißt das für die Berufstätigkeit von Eltern?

Wie können Modelle aussehen, die zum einen Eltern Kind Bindung, zum anderen aber auch Karriere erlauben?

Hier sind wir beim Kern, von dem was ich tue. Bei der Beratung für Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern und Arbeitgeber.

Aber auf die obenstehenden Fragen gibt es natürlich auch Antworten im Blog. Hier gehts in Kürze auch per Link weiter zum Teil 2 zur Bindung!

Eine Bitte von mir an Euch:

Was Eltern vor allem tun können, ist das Verständnis für den „richtigen Umgang“ mit Babys und Kindern hinaus in die Welt zu tragen! Und es vorzuleben.

Dazu brauchen wir fundiertes Wissen, das wir häufig nicht haben. Daher ist meine Mission mit meinem Blog und meinen Beratungen, dieses Wissen weit zu verbreiten. Ich freue mich sehr, wenn du mich dabei unterstützt und meine Beiträge teilst. 🙂

Wenn du dich für meine individuelle Beratung zu deinen Herausforderungen interessierst, kannst du dich sehr gerne für ein kostenfreies Erstgespräch bei mir melden. Ich freue mich auf dich!

Deine Marina Eltern und Karriere Coaching

Tipps und Übungen

Für eine sichere Eltern Kind Bindung, mach dir bewußt …

Was Kinder brauchen

Zuverlässigkeit und Feinfühligkeit

Babys und Kinder binden sich an Menschen, die empathisch, feinfühlig, liebevoll, zuverlässig und schnell auf ihre Signale eingehen. Wenn sie die Wahl haben, können sie also mehrere gute Beziehungen aufbauen, sofern die Bindungspersonen diese Kompetenzen mitbringen und eine geduldige Gewöhnung an die Person erfolgt ist.

Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht

Lerne dein Baby kennen!

Nimm dir Zeit dafür: schau es an, lege es auch nackt auf deine Haut. Das produziert das wichtige Bindungshormon Oxytocin. Und das kann übrigens auch der Papa oder die Großeltern machen.

Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht

Lass dein Baby nicht warten.

Erkenne möglichst bereits frühzeitige Signale für seine Bedürfnisse. Vor allem für junge Babys fühlen sich viele Lebensnotwendigkeiten, wie Hunger und Durst aber auch alleine zu sein, schnell lebensbedrohlich an.

Erst deutlich später lernt es auch warten zu können. Vor allem wenn es die Sicherheit hat, dass immer jemand kommt.

Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht

Beantworte die Signale deines Babys feinfühlig.

Hat es Hunger? Willl es kuscheln? Ist ihm langweilig oder ist es überfordert? Das ist manchmal gar nicht so einfach herauszufinden, sei geduldig mit dir selbst und deinem Baby. Je erfahrener du darin wirst, desto feinfühliger kannst du agieren.

Was Kinder brauchen

Ein „Mama-Kind“ oder ein klammerndes Baby ist kein Nachteil.

Ganz im Gegenteil. Bowlby’s Sichtweise dazu ist mir sehr sympatisch.

Er sagt, dass diese Abhängigkeit des Kindes real gegeben ist und die umgekehrte Interpretation das Kind unabhängig machen zu „müssen“, das Gegenteil bewirkt. Je mehr Druck du auf das Kind ausübst, eine für es unangenehme Situation möglichst alleine zu überwinden, umso mehr drängst du es in ein Bindungsverhalten.

Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht

Achte auf die Bedürfnisse deines Kindes, dann kannst du nichts falsch machen.

Wenn du bedürfnisorientiert mit deinem Baby und Kind umgehst, dann kannst du nichts falsch machen! … nur Wünsche solltest du nicht mit echten Bedürfnissen verwechseln. 🙂

Wie eine sichere Eltern Kind Bindung entsteht

Es ist nie zu spät etwas zu ändern.

Wenn du erkennst, dass dich eigene Vorerfahrungen in deinem Umgang mit deinen Kindern prägen, dann kannst du das aufarbeiten.

Quellen

D. Baumrind (1996) : The discipline controversy revisited. Family relations, 45, 405-414. Bekanntes Zitat von Diana Baumrind: “Kinder brauchen erst Wurzeln, dann Flügel.“

John Bowlby (2005): A secure Base.

John Bowlby (2005): The Making and Breaking of affectional Bonds.

Karl Heinz Brisch (2010): SAFE – sichere Ausbildung für Eltern.

K.H. Brisch und T. Hellbrügge (2015) – Bindung und Trauma. Risiken und Schutzfaktoren

Deutschlandfunk Kultur (2018): Die Elternschule. Link: https://www.deutschlandfunkkultur.de/umstrittener-film-elternschule-die-kinder-sind-in-maximaler-100.html

G. Gloger-Tippelt, J. Vetter, H. Rauh (2000): Untersuchungen mit der „Fremden Situation“ in deutschsprachigen Ländern: Ein Überblick. In: Psychologie in Erziehung und Unterricht, 47 (2000) 1, S. 87-98

G. Gloger-Tippelt, L. König, K. Zweyer (2007) Bindungsverhalten zu Mutter und Vater und Bindungsrepräsentation bei Kindern im Alter von fünf bis sieben Jahren.

Klaus und Karin Grossmann (1987): Die Bedeutung der frühen Mutter-Kind Beziehung. Ergebnisse und Forschungen.

G. Spangler, P. Zimmermann (2009): Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung.

W. Senf, M. Broda, D. Voos, M. Neher (2020, 6. Auflage): Praxis der Psychotherapie.

E. Wild, M. Hofer und R. Pekrun (2006): Psychologie des Lernens. In Pädagogische Psychologie: Krapp A, Weidenmann B (Eds); Weinheim: PVU: 203-268.

M. L. Verhage, C. Schuengel, R. Duschinsky, M. H. van IJzendoorn, R. M. P. Fearon, S. Madigan, G. I. Roisman, M. J. Bakermans-Kranenburg, M. Oosterman (2020): The Collaboration on Attachment Transmission Synthesis (CATS). A Move to the Level of Individual-Participant-Data Meta-Analysis.

Zentner, M.R. (2008): Der Einfluss des Temperaments auf das Bindungsverhalten.
In: Ahnert, L. 2008, 175-197

Anmerkung: die Bücher von Bowlby, Brisch und den Grossmanns fassen die Ergebnisse ihrer vielzähligen Studien zusammen.