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Interview mit Katharina Rhomberg

Im Gespräch

mit Katharina Rhomberg über Karriere trotz Teilzeit

Katharina Rhomberg spricht über Karriere und Teilzeit und darüber wie sie mit 2 Kindern ein internationales Mittelstandsunternehmen leitet. Katharina lebt mit ihren Kindern in Dornbirn, Österreich und ihr Mann ist unter der Woche in Wien. 600 Kilometer Distanz im Alltag bedeuten mehr als viel Organisationstalent. 😉Dafür braucht es auch Mut zu Kind und Karriere.

Katharina berichtet über ihre Erfahrungen und Must Haves für Eltern mit viel Verantwortung: daheim und im Business! Auch lebt Katharina vor, dass Teilzeit in der Geschäftsführung im richtigen Setting eben doch möglich ist.

Katharina Rhomberg-Shebl, 37, leitet ein Industrie-Unternehmen mit ca. 200 Mitarbeitern, ist als Aufsichts- und Stiftungsrätin tätig und ehrenamtlich in verschiedenen Interessensvertretungen engagiert. Wow! Davor war Katharina international unterwegs und im Konzern erfolgreich, mit unter 30 Geschäftsführerin einer österreichischen Novartis-Tochter. Eine rundum interessante Frau teilt spannende Erfahrungen.

Falls du mich, Marina, noch nicht kennst: ich bin die Gründerin und Geschäftsführerin von Coachiba. Ich berate Eltern und Unternehmen zu besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bilde Führungskräfte aus. Hier im Blog und als Rednerin teile ich Infos und Erfahrungen zu Modellen rundum Karriere mit Kindern. Wenn du Fragen hast, melde dich gerne!

Interview

Marina: Du bist bereits vor deinen Kindern sehr erfolgreich gewesen. Mit unter 30 warst du bereits Geschäftsführerin einer Novartis-Tochter. Glaubst du, dass Karriere mit Kindern nur möglich ist, wenn man zuvor schon auf derselben beruflichen Ebene erfolgreich war? Wie sonst ist es zu erklären, dass vor allem Mütter mit Kind(ern) tendenziell auf ein berufliches Abstellgleis geraten?

Katharina: Ich glaube es gibt sehr verschiedene Wege. Eines meiner Vorbilder ist eine Frau, die sehr jung Kinder bekommen hat und in Teilzeit ihre berufliche Laufbahn gestartet hat. Sie war noch immer sehr jung, als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren und ist dann so richtig durchgestartet mit ihrer Karriere.

Für mich war es stimmig, dass ich mich zuerst voll auf den Beruf konzentrieren konnte, bevor die Familie kam. Aber erstens ist das auch nicht immer so planbar und zweitens gibt es eben viele Wege.

Eine Antwort auf deine zweite Frage ist sehr komplex und umfangreich. Um es kurz zu halten: Ich glaube das hängt von sehr vielen Faktoren ab – gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen und Entwicklungen, Rolle und Selbstverständnis von Mann und Frau bzw. Vater und Mutter, flankierende rechtliche Regelungen, Gehaltsschere, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, individuelle Präferenzen.

Geht Kinder und Karriere auch in Teilzeit?

Marina: Spannendes Beispiel. Deine beiden Kinder sind noch relativ klein, aktuell 5 Monate und 2 Jahre alt. Wie lange hast du dafür im Beruf Pause gemacht? Was war seitens des Unternehmens notwendig, um das zu ermöglichen?

Katharina: Ich habe bei beiden Kindern meine Rolle in der Firma nicht komplett zurückgelegt und war eigentlich nur ca. 3 Monate nach der Geburt ganz weg. Ich habe allerdings auf Teilzeit reduziert.

Nachdem ich in einem Familienunternehmen bin, war die Abstimmung mit der Firma grundsätzlich relativ einfach. Es war nötig eine Ressource zu schaffen, die einen Teil meiner operativen Arbeit übernommen hat, da ich eben auf Teilzeit reduziert habe. Außerdem war die Voraussetzung gute Mitarbeiter und ein guter Geschäftsführer-Kollege, die eigenständig arbeiten können und wissen, wann sie mich kontaktieren sollen und was sie selbst regeln können.

Mut zu Kindern und Karriere

Marina: Ich erlebe, dass die Anpassungen in der Firma häufig unterschätzt werden. Das hindert daher häufig erfolgreiche Karriere in Teilzeit. Neben dem Mut zu Kindern und Karriere braucht es natürlich auch das Setting zuhause. Wie gestalten du und dein Mann die Kinderbetreuung nach deinem Wiedereinstieg? Wie und wie flexibel arbeitet ihr beiden?

Katharina: Mein Mann muss seit den Kindern flexibler sein, weil er wöchentlich die Zugfahrten auf sich nimmt und immer wieder mal im Homeoffice arbeitet. Er arbeitet dadurch sicher auch etwas weniger als davor. Ich bin in Teilzeit, habe ein bisschen Homeoffice und bin auch außerhalb dieser Zeiten erreichbar. Flexibilität finde ich geht immer in zwei Richtungen – seitens Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Für die Kinder haben wir eine tolle Kinderbetreuungseinrichtung, eine Nanny und immer wieder auch meine Eltern, die uns aushelfen.

Marina: Apropos Karriere in Teilzeit oder sollte ich noch besser sagen Karriere trotz Teilzeit… Man hört sehr häufig, dass Teilzeit in Führungspositionen nicht machbar sei. Wenn, wie in deinem Fall der Prozess dafür angepasst wurde, ist vieles möglich. Du bist das beste Beispiel. Wie machst du es möglich? Was braucht es seitens des Unternehmens dafür?

Katharina: Das sehe ich nicht so, es ist aber sicher eine Hürde, dass es eben viele noch so sehen. Es ist eine Frage des Setups in der Firma. Es muss natürlich zu den Aufgaben passen und die Organisation muss es hergeben. Bei uns bin ich nicht allein in der Geschäftsführung, wir haben eine erweiterte Geschäftsleitung und ich habe meine Zuständigkeiten an die Teilzeit angepasst. Außerdem bringe ich eben auch die entsprechende Flexibilität ein, wie vorhin beschrieben. Ich denke aber schon, dass es ein gewisses Mindest-Maß benötigt, mit 20% etwa wird es dann sicher schwierig.

Ich denke es braucht seitens der Firmen eben das richtige Mind-Set, aber auch die Organisationsstruktur muss es hergeben. Klare Zuständigkeiten und eine gute Absprache sind wichtig.

Was bedeutet Mut zu Kindern und Karriere für deinen Beruf?

Marina: Umso mehr Dankeschön, dass du hier zeigst, dass Karriere in Teilzeit möglich ist. Was bedeutet es für dich persönlich? Was hat sich in deinem Berufsleben durch deine Kinder am meisten geändert?

Katharina: Ich arbeite in Teilzeit und muss manchmal ganz pünktlich alles fallen lassen, um die Kinder zB abzuholen. Es hat sich vor allem auch geändert, dass ich bei Abendveranstaltungen viel stärker priorisiere, was sich aber sowieso durch Corona schon verändert hat.

Marina: Du lebst in Dornbirn und in Wien. Wie kannst du dafür die Kinderbetreuung an beiden Orten sicherstellen während du arbeitest? Was bedeutet es für dich und deine Kinder, dass dein Mann Großteils weit entfernt ist?

Katharina: Als Familie leben wir hauptsächlich in Dornbirn, mein Mann ist von Montag bis Donnerstag in Wien. Dabei fühlen wir uns an beiden Orten zuhause, aber sind viel mehr in Dornbirn. Wir haben auch nur in Dornbirn die Kinderbetreuung geregelt.

Wir kennen es von Anfang an nur so, dass mein Mann unter der Woche in Wien arbeitet und es ist für uns normal. Das bedeutet viel mehr Fokus auf die Familienzeit am Wochenende. Es bedeutet auch mehr Organisationsgeschick und Betreuungs-Infrastruktur, weil ich „allein“ bin von Montag bis Donnerstag, aber das haben wir. Es fühlt sich nicht weit an, übers Telefon haben wir ja trotzdem viel Austausch.

Marina: Mut zu Kindern und Karriere mit sehr hoher Verantwortung in beiden Bereichen. Hat dich deine Auslandserfahrung dahingehend bestärkt? Du warst lange in der Schweiz, hast in Südafrika gelebt, in einem internationalen Umfeld gearbeitet und bist viel gereist. Was können wir von anderen Ländern lernen?

Katharina: Ich glaube von den nordischen Ländern könnten wir viel lernen, aber die habe ich nicht so gut kennen gelernt. Ich habe im internationalen Umfeld sehr viele Eltern kennen gelernt, die Kinder und Karriere – in Teilzeit oder Vollzeit – vereint haben. Öfter sogar mit einem 100% Job. Es war in dem Umfeld ganz normal, dass die Kinder von klein auf jeden Tag Vollzeit in eine Kleinkindbetreuung gehen.

Das hat mir sicher auch geholfen meinen eigenen Weg zu finden. In Vorarlberg gibt es leider nicht viele Vorbilder in diese Richtung, aber sehr viele skeptische Stimmen, wenn man nicht allzu viel Zeit bei den Kindern ist, früh wieder arbeiten geht, usw. Da tut es schon gut internationale Freunde zu haben, die das anders vorleben. Ich finde es muss jeder das Modell finden, das zu einem passt, aber es ist hilfreich wenn man verschiedene Wege bei anderen sehen kann um den eigenen für sich selbst zu finden.

Karriere mit 2 Kindern in Teilzeit – Zeit für dich?

Marina: Im Beruf sehr erfolgreich und zuhause 2 kleine Kids. Hast du überhaupt noch Zeit für dich? Was fällt hinten runter?

Katharina: Klar leidet das ein bisschen, aber man kann nicht alles haben. Ich nehme mir zu wenig Zeit für Sport und manchmal wäre es auch schön kurz mal einfach auf dem Sofa zu entspannen oder sich eine Massage zu gönnen. Wir versuchen ab und zu Zeit dafür bzw. auch als Paar zu haben, es ist aber auch ok, dass das im Moment weniger ist. Außerdem empfinde ich es als Zeit für mich, dass ich arbeiten gehe und auch in anderen Organisationen engagiert bin.

Marina: Du hast dich außerdem nach erfolgreicher Konzern-Karriere bewusst dafür entschieden das mittelständische Familienunternehmen von deinem Vater zu übernehmen. Welche Herausforderungen bringt ein derartiger Wechsel mit sich?

Katharina: Ich denke so ein Übergabeprozess ist immer herausfordernd, für den Betrieb, den Übergeber und den Übernehmer. Das war zwar auch bei uns ein anstrengendes Jahr, bis alles entsprechend aufgesetzt war, aber es lief sehr gut. Mein Vater hat super übergeben und abgegeben, das denke ich ist der springende Punkt, warum es auch oft nicht klappt.

Dass ich vom Konzern in den Mittelstand gewechselt bin hat für mich super gepasst und war die richtige Reihenfolge. Ich konnte im Konzern in kurzer Zeit extrem viel lernen und sehen, habe viele Länder bereist, viele Funktionen und Prozesse, sowie Konzern-Leben kennen gelernt, war dann aber zum Schluss auch in einer österreichischen kleinen Tochter, wo ich wiederum wichtige Grundlagen für meinen späteren Job gelernt habe.

Der Wechsel in den Mittelstand hat mich gezwungen, dass ich ein gewisses übertriebenes Compliance-Denken ablege. Ich habe schnell die Vorzüge von Eigenverantwortung und schnellen Entscheidungen zu schätzen gelernt. Ich glaube der umgekehrte Weg vom Mittelstand in den Konzern wäre für mich viel schwieriger gewesen.

Marina: Innerfamiliär auch ein tolles Vorbild. Eine der Sorgen vieler Eltern bei Karriere mit Kindern ist, dass die Kinder zu kurz kommen. Und das wird ihnen häufig auch vorgeworfen. Woran machst du fest, dass das in deinem Fall nicht so ist? Was tust du explizit dafür, dass deine Kinder eben nicht zu kurz kommen?

Katharina: Ich muss niemandem beweisen, dass das nicht so ist. Solche Vorwürfe nehm ich nicht ernst. Meine Kinder sind fröhlich und entwickeln sich prächtig, es fehlt ihnen an nichts (und das meine ich nicht im materiellen Sinne). Ich behaupte es gibt viele Kinder, die zu kurz kommen, obwohl sie ein Elternteil haben, das ständig zuhause ist.

Für mich sind da zwei Dinge wichtig: 1) Meinen Kindern geht’s gut, dann ist es offensichtlich gut so. 2) Glückliche Eltern – glückliche Kinder.

Marina: Gibt es etwas hinsichtlich Karriere mit Kindern, von dem du rückblickend wünschtest, du hättest es anders gemacht?

Bisher noch nicht, aber sie sind ja auch noch nicht so alt. Ich habe mich einmal über mich selbst geärgert, als ich ein Amt abgelehnt habe und als Grund meine Familiensituation genannt habe, obwohl ich es kinderlos auch nicht hätte machen wollen.

Marina: Was ist deine wichtigste Unterstützung um deine Karriere mit Kind, vor allem auch bei einer Fernbeziehung, leben zu können? Was ist dein absolutes Must-Have?

Eine Kombination aus allem. Ein Mann, mit dem ich mir über unser Setup einig bin, die Spielgruppe, die Nanny und meine Eltern für die entsprechende Unterstützung und das Setup im Job.

Was brauchen Eltern, die ihre Karriere weiter verfolgen wollen?

Marina: Was wünschtest du, wäre möglich im Kontext Kind & Karriere was es heute in dieser Form (bei uns) noch nicht gibt?

… eine echte Wahlfreiheit für Eltern es sich nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Dazu muss aber in den Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und in der Gesellschaft noch viel passieren. Insbesondere denke ich muss sich auch die Rolle der Väter noch stark ändern. Ein paar rechtliche Rahmenbedingungen müssen auch noch angepasst werden, aber ich denke es braucht erstmal das Umdenken und den gesellschaftlichen Wandel.

Marina: Was rätst du (werdenden) Eltern im Kinderwunsch und anschließend mit Baby und Kleinkind, die nicht auf ihr Berufsleben und ihre Karriere verzichten möchten?

Das einzig wichtige ist, dass ihr euch als Paar einig seid, wie ihr es machen wollt. Lasst euch ansonsten nicht dreinreden, geht das Ganze mit Selbstvertrauen an. Kümmert euch frühzeitig um eine gute Betreuung, das ist leider Mangelware. Schmiedet einen Plan, aber lasst euch überraschen, wie es euch damit geht und seid vorbereitet ihn öfters anzupassen.

Zieht das mit dem Kinderkriegen durch. Es ist anstrengend, aber sehr lohnend!

Vielen herzlichen Dank fürs Teilen deiner ganz persönlichen Erfahrungen, Katharina!

– Katharina Rhomberg –

Du willst mehr Infos?

Hier im Blog stellen Eltern ihre individuellen Lebensmodelle vor, um andere Eltern zu inspirieren. Die Interviews findest du alle, wenn du nach Let’s Talk filterst.

Wenn du dein eigenes Konzept für Karriere mit Kindern noch suchst, dann interessiert dich vielleicht mein Coaching Angebot dazu! Frag mich auch gerne in einem kostenfreien Erstgespräch aus. Ich freu mich auf dich.

Deine Marina Eltern und Karriere Coaching

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