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Marina Bösch über Karriereplanung und Remote Führung

Im Gespräch

Marina Bösch über Karriereplanung für Frauen

Marina Bösch ist seit 15 Jahren „Headhunterin“ (obwohl sie die Bezeichnung nicht mag) und Unternehmensinhaberin. Sie besetzt Managementpositionen im deutschsprachigen Europa. Und berichtet daher hier über Karriereplanung für Frauen, Top Manager Eigenschaften und Remote Führung. Und was diese für Eltern bedeuten können.

Bei mir im Coachiba Blog findest du übrigens auch Interviews, in denen Eltern ihre individuellen Lösungswege für die Vereinbarkeit vorstellen. Filtere dafür einfach nach der Kategorie „Let’s Talk“. Ich bin deine Ansprechpartnerin für besondere Herausforderungen im Beruf und für Karriere.

Interview

Coachiba – Marina: Wie würdest du Erfolg und Karriere definieren? Ich erlebe mit sehr erfolgreichen Menschen, dass sie sich selbst zum Teil nicht als erfolgreich wahrnehmen. Es geht ja fast immer noch mehr…

Marina: Ja, das stimmt in vielen Fällen. Da geht es aber eher um Leistungsgrenzen und individuelle Zufriedenheit bzw. um die eigene Definition des Erfolgs. Es geht darum die individuellen Leistungsgrenzen wahrzunehmen und zu überwinden. Und es ist erstaunlich, was Menschen in allen Bereichen und Disziplinen tatsächlich leisten können. Denken wir mal an Sport, da gibt es eben keine Medaillien, wenn man nicht wirklich alles gibt.

Das ist in nahezu allen Berufen ähnlich. Das wird auch so bleiben denn Fortschritt/Verbesserung gibt es nur, wenn Menschen für eine Sache brennen, sich dafür einsetzen – und dann werden die Leistungsgrenzen nach oben geschoben und Neues initiiert.

Aber nicht Jeder will und kann sein letztes aus sich herauspressen. Jeder will eine gewisse Leistung erbringen. Höher, schneller, besser, das scheint bei vielen Menschen ein Auslaufmodell zu sein, was es auch in der Führung zu berücksichtigen gilt.

Karriereplanung für Frauen

Coachiba – Marina: Braucht es eine explizite Karriereplanung, um erfolgreich zu werden? Gezielt aufgebaute Expertise? Auf deiner Website sprichst du darüber, dass es nicht ausschließlich auf Erfahrung und Fähigkeiten ankommt.

Marina: Ja, wenn alles so planbar wäre … aber eines ist klar: Ohne Management geht heute nichts mehr. Und das gilt auch für die eigene Laufbahn. Gerade in Zeiten des raschen Wandels mit vielen Unsicherheiten bietet eine genauere Vorstellung über die berufliche Laufbahn in Verbindung mit eigenen Werten, Stabilität. Menschen mangelt es selten an kurzfristigen, beruflichen Zielen. Es mangelt am „roten Faden“ ihrer weiteren, individuellen Karriere und an der periodischen Reflexion, da sich sowohl die Welt als auch das Individium verändert:

Wohin soll die Reise gehen? Was will ich? Welche Werte zählen und welche Stärken habe ich? Welche zusätzlichen Fähigkeiten habe ich im Laufe der Zeit erworben und trainiert und welche sozialen Kompetenzen habe ich oder will ich weiter entwicklen?

Frühzeitig Antworten auf diese Fragen zu finden, daher eine Auslegeordnung zu machen und aktiv darauf hinarbeiten, baut gezielt Expertise und Fähigkeiten auf. 

Top Manager Eigenschaften

Coachiba – Marina: Was verbindet Menschen, die es ins Top Management schaffen? Gibt es Fähigkeiten, Erfahrungen oder Persönlichkeitsmerkmale, die vermehrt vorkommen? Wodurch fallen besonders interessante Bewerber auf?

Marina: Der Weg ins Top Management, also obererster Bereich des Unternehmens, ist nicht leicht. Denn das Top-Management ist für die Lebensfähigkeit des Unternehmens oder einer Organisation verantwortlich. Sie sorgt für die richtige Strategie, Prosperität und Weiterentwicklung des gesamten Unternehmens bzw. der Organisation. Dazu gehören daher Innovationsstärke, Erfolgsorientierung, frühes Erkennen und Nutzen von Chancen (strategisch, organisatorisch, marktmässig,…).

Letztlich zählen nachweisbare Erfolge, aussergewöhnliches Engagement und besondere Leistungen. Unverzichtbar sind fundiertes Wissen, Kontinuität im beruflichen Werdegang, sehr gutes Management-Wissen und -Kompetenzen. Die Kataloge von persönlichen Eigenschaften werden immer länger.

Ich habe viele erfolgreich Top-ManagerInnen kennengelernt, die jedoch ganz unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale hatten. Wenn ich ein paar gemeinsame Dinge herausgereifen müsste, wären dies strategische Weitsichtigkeit, weniger angepasst zu sein, d.h. sie kämpfen um ihre Überzeugungen, haben keine Angst vor Veränderungen und sind meist gute Kommunikatoren. Sie sind Profis in der Erfüllung ihrer Aufgaben und in der Anwendung ihrer „Werkzeuge“ und sie lassen sich von Werten leiten.

Erfahrungen mit Kind und Karriere

Coachiba – Marina: Häufig entscheidet sich zwischen 30 und Mitte 40 ob und welche Karriere möglich ist. Ebenfalls ist das meist der Zeitpunkt zu dem man sich für oder gegen Kinder entscheidet. Vor allem Mütter geraten mit Kind(ern) daher tendenziell auf das berufliche Abstellgleis. Dabei sollte es doch eigentlich um die Ergebnisse gehen, die durch die Person erreicht werden können.
Erlebst du Benachteiligung von Eltern in der Stellenvergabe? Woran liegt das und was kann dagegen getan werden?

Marina: Die 30er sind die Zeit der Leistung und Ergebnisse. Diese Jahre sind daher „Erfolgs“-entscheidend. Man kennt sich selbst besser, weiss dadurch wo man hingehört und wo die eigenen Stärken am besten einsetzbar sind. Es können Resultate erzielt werden, auf die man später stolz sein kann. Das können jedoch auch Eltern mit Kindern. Es geht beides.

Es ist eine Frage des Wollens, der Selbst-Organisation und natürlich auch der Rahmenbedingungen des Arbeitgebers. Aber da gibt es wirkliche Fortschritte. Kein Arbeitgeber kann auf mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen verzichten. Diejenigen, die noch keine guten Angebote haben, werden sich rasch umstellen müssen.

Ich erlebe grundsätzlich keine Nachteile von Eltern in der Stellenvergabe. Wenn jemand den Anforderungen der Stelle nicht entspricht, dann hat das nichts mit Eltern-sein zu tun. Ich gebe dir ein Beispiel: Die Stelle beinhaltet eine hohe Reisetätigkeit und der/die Stellensuchende will nicht so viel reisen. Das kann mehrere Gründe haben, man will generell nicht so viel reisen oder das Kind nicht so lange verlassen.

Coachiba – Marina: Ist Karriere als Elternteil nur möglich, wenn man schon ein gewisses Stellenniveau vor den Kindern erreicht hat?

Marina: Es ist gut, wenn man sich die ersten „Sporen“ schon verdient hat. Dadurch ist es auch leichter sich selbst einzuschätzen, man kennt sich und die Stärken besser und kann sich dann aufgrund dessen besser positionieren. Auch für das Unternehmen bietet dies Möglichkeiten, eine gute Lösung zu finden.

Karriere mit Kindern – was können Eltern für die Karriere selbst beeinflussen?

Coachiba – Marina: Bei was stehen sich Eltern für Führungspositionen womöglich selbst im Weg?

Marina: Schwierig, hier eine allgemeine Antwort zu geben, da es stets andere Situationen gibt. Meines Erachtens ist es wichtig, dass das Elternpaar klare Vorstellungen, Werte und Ziele hat. Sie müssen sich im Klaren sein, wer, wann, was und wie arbeitet und die Kinderbetreuung macht. Diese Diskussion im Vorfeld ist daher nicht trivial. Wichtig ist ein klares Committment beider Elternteile. Wenn das Kriterienbündel gut abgestimmt ist, kann eigentlich nicht allzuviel schief gehen.

Coachiba – Marina: Ehrlichkeit im Interview… Ich höre von stellensuchenden Eltern gelegentlich „wenn ich meine ehrlichen Erwartungen und Flexibilitäten nenne, bin ich raus…“.

Ich selbst habe mehrfach die gegenteilige Erfahrung gemacht. Beispielsweise habe ich im Interview klar gesagt, dass ich Kinder haben möchte und gefragt, ob und wie das mit dem Unternehmen und der Position vereinbar sei. Man hat mir noch im Gespräch selbst die Stelle in Führungsposition in Vollzeit oder Teilzeit angeboten. Welche Erfahrungen machst du?

Marina: Ich plädiere immer für Ehrlichkeit und mache damit gute Erfahrungen. Wer von Anfang an mit offenen Karten spielt und professionell im Gespräch überzeugt, punktet. Was bringt ein Verschweigen oder sogar ein Verbiegen? Letztlich keiner Seite etwas. Vielleicht erwarten sich Eltern manchmal auch zuviel. Wenn man zum Beispiel nur 10 Stunden pro Woche arbeiten möchte, dann geht das einfach nicht in jedem Job. Auch ein Job-Sharing geht nicht immer. Der interne Kommunikationsaufwand ist manchmal einfach zu hoch. Wenn Flexibilität erwartet wird, dann bitte von beiden Seiten.

Remote Führung und New Work sind auch für viele Eltern relevant!

Coachiba – Marina: Wir haben häufiger intensiv über Remote Führung gesprochen. Was müssen anteilig oder vollständig Remote Führende mitbringen?

Marina: Komplett remote zu führen halte ich für schwierig. Mindestens zu Beginn sollte die Führungskraft das Team kennenlernen. Wenn dieser Prozess gut funktioniert und Vertrauen aufgebaut ist, klappt eine Remote Führung gut. Allerdings rate ich auch dann zu gelegentlichen Vor-Ort-Treffen. Denn alle modernen Hilfsmittel können keinen persönlichen Kontakt ersetzen.

Die Führungskraft selbst muss gut organisiert und ein sehr guter, zielgerichteter Kommunikator sein. Außerdem sollte sie eine gewisse Sensorik für die Beurteilung kritischer Situationen aus Distanz besitzen. Ansonsten gilt das gleiche wie für nicht-remote Führung: die Beachtung von Grundsätzen, Aufgaben und Werkzeuge wirksamer Führung.

Coachiba – Marina: Einige ManagerInnen kontaktieren dich bei der Suche nach neuen Herausforderungen. Woran scheitern Unternehmen, dass ihre qualifizierten ManagerInnen gehen? Viele frische Eltern entscheiden sich zu einem Wechsel. Kann man andere Arbeitskonditionen nur in einem Unternehmenswechsel durchsetzen?

Marina: Mein Fokus liegt auf Direct Search für Unternehmen, daher ein Unternehmen beauftragt mich, mit der Suche nach der passenden Person. Aber umgekehrt gibt es natürlich auch ManagerInnen, die meine Unterstützung bei der Suche in Anspruch nehmen. Da muss man etwas nach Alter differenzieren.

Bleiben wir bei den jüngeren Menschen. Die qualifizierten Leute gehen meist nicht, weil ihnen die Aufgaben nicht gefallen, sondern vielfach aus anderen Gründen: Beispielsweise schlechte Führung, zu wenig Wertschätzung, keine oder zu wenig flexible Arbeitszeit-Modelle, keine absehbaren „Aufstiegschancen“ oder schlicht des Geldes wegen.

Coachiba – Marina: Einige Eltern entscheiden sich explizit gegen Führung auf Grund der einhergehenden Arbeitszeiten und Erreichbarkeiten. Ist das wirklich noch so oder gibt es positive Entwicklungen? Welche Erfahrungen hast du mit alternativen Modellen? Führung in Teilzeit oder Job Sharing Erfahrungen?

Marina: Das ist teilweise noch immer so, aber wie schon gesagt, eine individuelle Entscheidung und auch abhängig vom Arbeitgeber. Mittlerweile gibt es viele Arbeitgeber (da hat die Covid-Pandemie einen wesentlichen Teil dazu beigetragen) mit grosszügigen home office Möglichkeiten und/oder individueller Arbeitszeit-Einteilung.

Auch die Tatsache, eines momentan herrschenden Bewerbermarkts müssen sich die Unternehmen stellen und dadurch offen für verschiedene Modelle sein: die Beispiele die ich kenne, sind alle positiv. Ich stelle fest, dass die mit Arbeitsleistung verbrachte Zeit viel effektiver und effizienter genutzt wird und die Resultate sogar besser sein können. Das ist eine Frage der Selbstorganisation. Die Schlüsselfähigkeit für den Menschen in der Komplexitätsgesellschaft ist daher das Beherrschen von professionellem (Selbst-)Management.

Coachiba – Marina: Möchtest du noch einen Tipp oder generelle Anmerkung für Führungskräfte mit Kinderwunsch oder Eltern in Karrierepositionen geben?

Marina: Ich gebe ungern Tipps, davon gibt es schon viel zu viele. Meines Erachtens ist es wichtig mit dem Partner/ der Partnerin gemeinsam ein Modell zu finden, das für beide passt. Das ist immer ein Geben und Nehmen.

Heute kann man Karriere als Frau (Männer konnten dies schon immer) auch mit Kindern machen. Die Angebote von Unternehmen sind bereits gut und werden immer besser. Aber man muss sie nutzen und sich selbst in eine glaubwürdige Position gebracht haben, dass man Beruf und Familie unter einen Hut bringen kann. Dann gelingt das auch.

Coachiba – Marina: Wir kennen uns schon sehr lange… Was kannst du meinen LeserInnen und möglichen KundInnen über mich sagen?

Marina: In der Tat, wir kennen uns wirklich schon eine lange Zeit und deine Karriere war geplant und kreiert. Ich vertrete die Ansicht, dass man Karriere kreieren kann und muss. Dafür bist du ein wunderbares Beispiel:

Du gehörst zu der kleinen Gruppe von Menschen mit einem sehr hohen IQ, einer ausgezeichneten Wissensbasis gepaart mit hoher Empathie, Ehrlichkeit, Fokussierung und Einsatz stets das Beste machen zu wollen. Das ist letztlich das, was dich ausmacht. Auf diesem starken Fundament wusstest du schon früh was du willst und hast gezielt darauf hingearbeitet. Auch der Wille sich stets weiterzuentwickeln und immer wieder zu reflektieren, sich in berufliches Neuland zu begeben, wie gerade jetzt, macht die Marina Bernardo als Frau und Mutter mit Top-Karriere aus.

Herzlichen Dank für das tolle Kompliment. Und auch vielen herzlichen Dank fürs Teilen deiner ganz persönlichen Erfahrungen, Marina!

– Marina Bösch –

Deine Marina Eltern und Karriere Coaching

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