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Was Kinder Brauchen

Kindererziehung Teil 3

Bedürfnisse von Kindern – was unsere Kinder brauchen, um glücklich zu sein

Um eine Antwort darauf zu finden, was Kinder von ihren Eltern brauchen, um glücklich zu sein, lohnt sich ein kurzer Abstecher in die Evolution und Kultur. Denn wenn du über Erziehung nachdenkst, ist zu beachten, dass in der Natur evolutionär eine völlig andere Kindesentwicklung vorgesehen ist.

Eltern sein ist evolutionär keine 1–2-Personen-Show!

Schauen wir zurück in ein Umfeld ohne tägliche Termine, Leistungsdruck und Fremdbetreuung.

Kleine Kinder verbrachten viel Zeit in der Obhut ihrer Familie. Eltern waren nicht mehr oder weniger allein auf sich gestellt mit ihrer Familienversorgung. Im Miteinander wurden die Ausbildung und das Großziehen der Kinder durch Eltern und Nahestehende in der Gemeinschaft gelebt. Gleichzeitig wurden Kinder sehr viel früher wertbeitragende Mitglieder ihrer Umgebung. Sie hatten Aufgaben und einen Platz, ähnlich den Übrigen in der Gemeinschaft.

Kinder kommen als extrem abhängige Babys auf die Welt, sie sind Traglinge und lange Zeit nicht dazu in der Lage, selbst für sich zu sorgen. In unserer Gesellschaft wird früh eine hohe Selbstständigkeit ohne die engsten Bezugspersonen vorausgesetzt. Das ist ursprünglich nicht was unsere Kinder brauchen.

Ich sage dies nicht wertend im Sinne dessen, dass früher als besser war. Ich betone einen Fakt. Und diese Fakten sind zu berücksichtigen.

Was Kinder brauchen
Wenn wir funktionierende neue Wege in der Kindererziehung gehen wollen, müssen die natürlichen Gegebenheiten und die Bedarfe der heutigen Gesellschaft ebenso mit einfließen.

Empfehlung

Wenn du gut Englisch sprichst, möchte ich dir die Bücher von Meredith F. Small, Professorin für Anthropologie, „Our Babies, Ourselves“ und „Kids“ empfehlen. Nicht mehr ganz neu, aber mit die am besten recherchierten Bücher mit wissenschaftlichen Studien und Beobachtungen in anderen Kulturen, die ich zum Thema Babys und Kinder gelesen habe.

Daraus möchte ich noch das Ergebnis einer Studie einbringen. Ich habe sie bereits vor einiger Zeit gelesen und denke in Bezug auf Wirbelsturmkinder immer wieder daran. Ein Forscherteam untersuchte in einem afrikanischen Stamm die Kindesentwicklung. In der Befragung wurde das Verhalten von Babys und Kleinkindern bewertet. Babys, die viel weinten, und fordernde Kinder wurden als „schwierig“ eingestuft.

Im zweiten Teil der Studie, einige Monate später, sollten die Eltern aller Kinder erneut befragt werden. Zwischenzeitlich hatte es eine erhebliche Dürreperiode gegeben. Viele der Kinder waren verstorben. Es zeigte sich, dass fast ausschließlich die „schwierigen“ Kinder überlebt haben!

Was Kinder brauchen
Gerade die Kinder, die uns besonders viele graue Haare wachsen lassen, sind diejenigen, die auf dieselbe Art bei anderen Voraussetzungen ihr Überleben und ihre Zukunft sichern.

Und was bekommen unsere Kinder von uns?

Wofür steht deine Familie?

Kindliche Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit und Liebe müssen erfüllt sein, denn es ist untersucht und erwiesen, dass Kinder sich in ihrem Verhalten erst positiv verändern, fördern lassen und kooperativ sein können, wenn die Beziehungsebene absolut sicher und stabil ist. Eine sichere Bindung entsteht dabei bereits in der Schwangerschaft bis weit über die Babyzeit hinaus.

Das schönste Geschenk, das man jemandem machen kann, ist Zeit miteinander zu verbringen. Zeit, in der ihr spielt, lacht, redet und in der du zuhörst! Dein Kind erfährt darüber deine Wertschätzung.

Die Bedürfnisse von Kindern

Eltern und Karriere wichtige Punkte
Zeit mit deinen Kindern 

In manchen Ratgebern wird dazu geraten, dich täglich mindestens 15 Minuten ausschließlich mit deinem Kind zu beschäftigen. Ich frage mich jedes Mal, wie man auf die 15 Minuten kommt. Wahrscheinlich ist das die Zeit, die man abzüglich Arbeit, täglicher Aufgaben, Hygiene und Schlafen an Werktagen übrighat. Jedoch voraussichtlich nicht die Zeit, die ein Kind normalerweise brauchen würde! Wärst du glücklich, wenn dein Partner täglich 15 Minuten für dich aufbringt?

Hier sehe ich klaren Bedarf, den Alltag so zu strukturieren, dass es deutlich mehr als 15 Minuten werden. Man kann auch gemeinsames Zähneputzen, das abendliche Zubettgehen oder die Essenszubereitung als wirklich schöne Zeit mit den Kindern etablieren, wenn man fantasievoll ist. Außerdem muss Flexibilität da sein. Wenn dein Kind etwas besonders Tolles oder Negatives erlebt hat, muss dafür Raum sein oder gemacht werden.

Die Zeit ist der wohl größte Engpass, den wir im Miteinander mit unseren Kindern haben. Und dennoch dringend notwendig.

Eltern und Karriere wichtige Punkte
Deine Kinder lieben können, so wie sie sind! 

Kinder sind perfekt, so wie sie sind. DEIN Kind ist perfekt, so wie es ist.

Bedingungslos geliebt zu werden, ist eine hervorragende Voraussetzung für die Persönlichkeitsentwicklung deines Kindes. Du selbst willst als Person angenommen werden, wie du bist. Du willst dein Kind sicherlich ebenso bedingungslos lieben können! Es so annehmen, wie es ist.

Um das zu erreichen, legst du einen wichtigen Grundstein, wenn du deine eigenen Bewertungen und Anforderungen an dein Kind überdenkst: Wofür oder in welchem Kontext sind seine Charakterzüge erstrebenswert?

Was möchtest du mit der Erziehung eigentlich bewirken? Und förderst du dein Kind dadurch oder unterdrückst du vielleicht sogar angeborene Stärken, wie im Teil 1 zur Kindererziehung geschildert.

Eltern und Karriere wichtige Punkte
Kindern einen sicheren Hafen bieten

Wir wünschen uns doch sicherlich, dass unser Kind in der Not jederzeit zu uns kommen kann. Viele Eltern haben das Gefühl, sie wären immer für ihre Kinder da, und die Kinder könnten mit ihren Anliegen und Hilfebedarf zu ihnen kommen.

Die Frage ist, ob wir neben der dazu benötigten Zeit in unserem Miteinander, der Erziehung, tatsächlich den Grundstein dafür gelegt haben. 

Dazu folgendes Beispiel, das ich erlebt habe: Die 3-jährige Elena hat einen Freund zum Spielen zu Hause. Sie spielen im Spielzimmer nebenan, die Eltern sitzen im Wohnzimmer und quatschen. Elena kommt etwas verlegen ins Wohnzimmer und sagt:

„Max nimmt mir meine Sachen weg, könnt ihr mir helfen?“

Der Papa antwortet:

„Ich trinke gerade Kaffee, mach nicht dein Problem zu meinem.“

2 Minuten danach totaler Kinderkampf im Nebenzimmer. Elena wird von ihrem Papa in ihr Zimmer gebracht, damit sie sich dort „beruhigt“, weil sie nicht schön mit ihrem Freund spielt.

Das Mädchen hatte für sein Alter sogar vorausschauend um Hilfe gebeten, sie nicht bekommen und wurde anschließend bestraft. Elena hätte Handlungsoptionen gebraucht und bei Bedarf auch Vor-Ort-Hilfe. Damit hätte sie gelernt, wie man eine derartige Situation lösen kann. „Hilf deinem Kind, sich selbst zu helfen.“

Ich kann dir nicht sagen, nach wie vielen Versuchen oder in welchem Alter Elena aufhört, ihre Eltern um Hilfe zu bitten. Auch wenn ihre Anfrage aus Erwachsenenperspektive banal war, bin ich mir fast sicher, dass sie sich früher oder später nicht mehr hilfesuchend an die Eltern wendet. Zumindest nicht, wenn das elterliche Vorgehen nicht die Ausnahme war. Wen und ob sie jemand anderen noch um Hilfe bittet oder Probleme mit sich selbst ausmacht, wird sich viel später zeigen.

Was kindliches „Fehlverhalten“ bei den Eltern bewirkt?

Viele unerwünschte Verhaltensweisen resultieren aus dem Bedürfnis unserer Kinder nach Aufmerksamkeit. Der Quatsch geht so richtig los, wenn die Eltern gerade abgelenkt sind oder ohnehin schon unter Zeitdruck stehen. Einem bedürftigen Kind ist es nämlich erst mal egal, ob es damit positive oder negative Aufmerksamkeit generiert. Hauptsache, die Eltern wenden sich ihm mit ganzer Aufmerksamkeit zu.

Kinder finden dafür treffsicher effiziente Strategien, die die Eltern dazu veranlassen. Sachen werfen, die Schwester schlagen, den Eltern beim Telefonieren dazwischenreden oder, oder, oder. Auch weniger penetrante Ausdrucksformen sind darunter.

Im Englischen nennt man dieses Verhalten Attention-Seeking. Ersetzen wir das Wort Attention nun durch Connection-Seeking, wird der Blick auf das Kind gleich weicher. Das Kind tut dies, um in Beziehung zu treten, sucht nach Bindung, Sicherheit, der elterlichen Liebe. Oder: Machtkampf ist eigentlich der Kampf um Anerkennung, wie Bergmann sagt. Wie man eine derartige Situation beispielsweise lösen kann, habe ich dir bereits geschildert.

Hier möchte ich darauf hinaus, dass dieser kindliche Annäherungsversuch bei den Eltern meist das genaue Gegenteil bewirkt. Denke an die 3Fs aus dem ersten Artikel – Fight, Flight, Freeze oder Kampf, Flucht, Erstarren. Dein Ärger bewirkt nämlich, dass dein Körper dir signalisiert, dass von deinem Kind Gefahr ausgeht. Dadurch kommt es zu Überreaktionen.

„Dieses inadäquate Verhalten muss doch sofort unterbunden werden, damit das Kind nicht lernt, damit durchzukommen!“ Wir kennen es ja nicht anders.

Häufig triggert uns das Verhalten unserer Kinder am meisten, das uns in der Kindheit am vehementesten verboten wurde. Dir fallen sicher 5 Beispiele ein, wo dein Kind dich sofort an den Rand des Wahnsinns bringt und du deine guten Vorsätze nicht mehr umsetzen kannst.

Es ist jedoch nie die Schuld deines Kindes, wenn sein Verhalten dich triggert. Dein Trigger ist deine Verantwortung! Und nur du kannst an diesen Triggern arbeiten.

Diese Trigger und festgefahrenen Verhaltensweisen stehen der Umsetzung einer gewaltfreien Erziehung häufig maßgeblich im Weg.

Dazu eine Gedankenstütze was Kinder brauchen

Für Situationen, wenn das Verhalten deines Kindes dich irritiert oder triggert: Wenn dein Kind stürzt und vor Schmerzen schreit, ist die übliche Reaktion, hinzugehen, zu trösten, die Schmerzen zu evaluieren und zu versorgen.

Das liebevolle Bild von dir, wie du dein Kind umarmst, tröstest und versorgst, wird dir helfen. Geh als diese Mama oder dieser Papa auf dein Kind zu, auch wenn es Unsinn macht. Das heißt nicht, dass du deinem Kind alles durchgehen lässt. Du kannst und darfst deinem Kind sehr wohl aufzeigen, dass sein Verhalten dich ärgert. Von einer konstruktiven Art der Kommunikation profitiert ihr alle beide.

Gerade bei jüngeren Kindern kommt es vor, dass sie einfach experimentieren, um Erfahrung zu sammeln oder Regeln zu testen. Dann findest du eine Möglichkeit, das Interesse deines Kindes aufzugreifen und in sinnvolle Bahnen umzulenken. Wasserlaufverhalten kann man wunderbar in der Badewanne oder im Garten testen. Wenn unbedingt etwas geworfen werden soll, kann man vielleicht auch Decken oder Kissen ausbreiten und darauf werfen …

Ich garantiere dir, dass es einfacher ist, dein Kind auf diese Art und Weise zu begleiten.

Was Kinder brauchen
Vieles, was sich gut anfühlt, ist eine Indikation für einen guten Weg … 🙂 

Und was werden meine Eltern dazu sagen?

Das werde ich manchmal gefragt. Wenn du das Zusammenleben mit deinen Kindern anders gestaltest, als deine Eltern es mit dir gemacht haben, ist das keine Schuldzuweisung an sie. Jeder tut das, was er für richtig hält, sie haben sicherlich auch nach bestem Wissen gehandelt. Und wurden wiederum von ihren Eltern und häufig auch noch der schwarzen Pädagogik stark geprägt.

Zeiten ändern sich aber zum Glück. Auch unsere Kinder wiederum werden es anders machen als wir.

Solltest du dir dazu Gedanken machen: Es sind ihre Trigger, die sich rühren, wenn deine Entscheidung, es anders zu machen, sie belastet. Diese Trigger liegen in ihrer Verantwortung. Deine Kinder und deine Trigger liegen in deiner Verantwortung.

Für deine Ausstrahlung und Kommunikation ist es hilfreich, wenn du es nicht „besser“ machen möchtest. Du möchtest es anders machen und neue Wege gehen und damit deinem Kind neue Möglichkeiten bieten. Denn dein Kind ist bereits perfekt, so wie es ist.

Vielmehr kannst du daher dein Kind als deinen Lehrer betrachten. Kinder tun so vieles mit einem unglaublichen Spaß, Engagement und Leichtigkeit und stehen fest zu ihren Überzeugungen und für sich und ihre Bedürfnisse ein. Die große Selbstverständlichkeit, mit der sie Dinge tun, die uns in der Öffentlichkeit maßlos peinlich wären, wäre für viele Menschen eine enorme Erleichterung. Dein Kind kann so viel, was du mit Sicherheit gern könntest!

Es wurde etwas lang …

😅 Komplexe Themen kann man eben nur bedingt zusammenfassen, ohne auf wertvollen Inhalt zu verzichten …

Ich liebe neue Wege und Veränderungen! Ich wünsche mir, dich mit den umfangreichen Gesichtspunkten, Alltagsbeispielen und Denkanstößen zu motivieren und zu ermutigen, auch neue und andere Wege für dich und deine Familie in Betracht zu ziehen. Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, schau dir doch gerne mein Elterncoaching oder die Beratung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an.

Du willst mehr dazu wissen? Ich freue mich, dich kennenzulernen!

Deine Marina Eltern und Karriere Coaching

Tipps

Die Bedürfnisse von Kindern – mach dir folgendes bewusst

Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen
In unserer Gesellschaft wird früh eine hohe Selbstständigkeit ohne die engsten Bezugspersonen vorausgesetzt. Das ist nicht was unsere Kinder brauchen, um bestmöglich gebunden zu sein. Dafür sind Babys und Kleinkinder ursprünglich nicht gemacht!
Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen
Besonders die Kinder, die uns besonders viele graue Haare wachsen lassen, sind diejenigen, die auf dieselbe Art bei anderen Voraussetzungen ihr Überleben und ihre Zukunft sichern. Das sind herausragende, positive Eigenschaften!
Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen

Das Bedürfnis von Kindern nach Nähe, Sicherheit und Liebe

… müssen erfüllt sein, denn es ist untersucht und erwiesen, dass Kinder sich in ihrem Verhalten erst positiv verändern, fördern lassen und kooperativ sein können, wenn die Beziehungsebene absolut sicher und stabil ist.

Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen

Das schönste Geschenk,

… das man jemandem machen kann, ist Zeit miteinander zu verbringen. Zeit, in der ihr spielt, lacht, redet und in der du zuhörst! Und bedingungslose Liebe, die sich unter anderem dadurch entwickelt …

Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen
Viele unerwünschte Verhaltensweisen resultieren aus dem kindlichen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Der Quatsch geht so richtig los, wenn die Eltern gerade abgelenkt sind oder ohnehin schon unter Zeitdruck stehen.

Einem bedürftigen Kind ist es nämlich erst mal egal, ob es damit positive oder negative Aufmerksamkeit generiert. Hauptsache, die Eltern wenden sich ihm mit ganzer Aufmerksamkeit zu. Machtkampf ist eigentlich der Kampf um Anerkennung!

Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen
Häufig triggert uns das Verhalten unserer Kinder am meisten, das uns in der Kindheit am vehementesten verboten wurde. Es ist jedoch nie die Schuld deines Kindes, wenn sein Verhalten dich triggert. Dein Trigger ist deine Verantwortung! Und nur du kannst an diesen Triggern arbeiten.

Diese Trigger und festgefahrenen Verhaltensweisen stehen der Umsetzung einer gewaltfreien Erziehung häufig maßgeblich im Weg.

Bedürfniss von Kindern, was unserer Kinder brauchen
Das liebevolle Bild von dir, wie du dein Kind nach einem schlimmen Sturz umarmst, tröstest und versorgst, wird dir helfen.

Wenn dein Kind gerade „schwierig“ ist, dich herausfordert und du am liebsten im Erdboden versinken, weglaufen oder angreifen willst (die 3F’s – Fight, Flight, Freeze), dann denke an dich in der verarztenden Situation, die liebevolle Mama.

Denn dein Kind schreit gerade auch um Hilfe, jetzt darfst du raus finden wo welches Pflaster hin muss!