Was tun bei Mobbing in der Schule?
Effektive Maßnahmen
Du bist Elternteil oder LehrerIn und fragst dich: „Was kann man gegen Mobbing in der Schule tun?“ Dann bist du hier genau richtig. Hier geht es um konkrete Maßnahmen für Eltern und Lehrende bei Mobbing in der Schule!
Mobbing ist kein Konflikt zwischen zwei Kindern, den beide nur besser lösen müssten. Es ist eine Gruppendynamik mit einem Machtungleichgewicht – und deshalb eine Aufgabe für die verantwortlichen Erwachsenen und das beteiligte System.
Wann beginnt Mobbing in der Schule?
Mobbing beginnt, wenn ein Schüler wiederholt und gezielt ausgegrenzt, beleidigt oder verletzt wird. Entscheidend ist die Wiederholung und das Macht-Ungleichgewicht zwischen Täter und Opfer. Mobbing tritt schon ab der Grundschule auf, meist durch ständiges Hänseln oder Ausschließen.
Mobbing hat selten einen klaren Startschuss – es wächst langsam, aber stetig. Und genau das macht es so gefährlich. Denn jede Phase folgt einem Muster, das sich verfestigt, wenn niemand eingreift. Mehr über die verschiedenen Arten und wie du auch verstecktes Mobbing erkennen kannst, findest du in meinem Artikel Mobbing Definition.
Maßnahmen gegen Mobbing hängen von der Phase des Mobbings ab…
1.) Die erste Phase von Mobbing ist die Explorationsphase:
Darin wird mehr oder weniger zufällig ein Mobbingopfer ausgewählt.
2.) Die Konsolidierungsphase:
Täter und Opfer aber auch Mitschüler festigen ihre Rollen. Denn Mobbing ist ein Geschehen in der Gruppe mit Unterstützern und Zuschauern. Bereits jetzt können sich Mobbingopfer nicht mehr selbst aus der Situation befreien und bitten oft aus Angst und Scham nicht selbst um Hilfe. 2 Sie fühlen sich außerdem schutzlos ausgeliefert.
3.) Die Manifestationsphase:
Nun sind Angstzustände für das betroffene Kind an der Tagesordnung. Das Opfer fürchtet stets die nächste Attacke, vor der es sich nicht schützen kann. Denn die Gruppendynamik ist fest. Unter dieser Last entstehen Angststörungen, Depressionen, Suizid (-versuche), Schlafstörungen und vieles mehr.
Deswegen muss schnell, gut organisiert und zielgerichtet gehandelt werden, auch bei Cybermobbing.
Bei Mobbing ist ein Schulwechsel nicht immer empfehlenswert!
Ein gefestigter Fall von Mobbing ist eingetreten: ihr habt die Konsolidierungsphase oder Manifestationsphase erreicht. Und du fragst dich als LehrerIn oder Elternteil: was kann man gegen Mobbing tun?
Häufig wechselt das Mobbing Opfer dafür die Schule, um die Situation schnellstmöglich zu beenden. Das ist absolut nachvollziehbar. Jedoch bedeutet das:
Das Mobbingopfer erfährt keine Wiedergutmachung
Das ist im Ausbilden einer Resilienz möglicherweise ein Nachteil. Vor allem, wenn das betroffene Mobbing Opfer nochmals in eine ähnliche Situation in der neuen Klasse gerät. Denn besonders Neulinge stellen als Außenseiter eine besondere Risikogruppe für Mobbing dar.
Der Mobbing „Täter“ geht als Gewinner aus der Situation
Denn er hat das Kind sogar erfolgreich „verjagt“. Für dieses Kind findet meist keine Regulierung statt, daher ist es wahrscheinlicher, dass das Verhalten weitergeht.
Für den Rest der Klasse
Kann nun die Sorge entstehen, selbst zum nächsten Ziel der Angriffe zu werden. Außerdem teilen sie die Lernerfahrung, dass der Stärkere gewinnt.
Nachhaltigkeit
Für Schule, Lehrer und für die Schüler bleibt das Problem möglicherweise in veränderter Form bestehen. Je nach Klassensituation in der neuen Schule besteht auch ein Risiko für das bisherige Opfer.
Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule
Gemeinsam lässt sich Mobbing stoppen. Es muss dafür klar sein, dass Ausgrenzung, Beschämung und Gewalt nicht mitgetragen werden. Diese Mobbing Präventionen müssen etabliert sein und weitergeführt werden:
Entscheidend ist nicht nur, dass schnell gehandelt wird, sondern wie die Maßnahmen gegen Mobbing aussehen. Eine vorschnelle Konfrontation, ein gut gemeintes Klassengespräch oder der Appell, sich einfach zu vertragen, können die Situation verschärfen. Wirksame Unterstützung berücksichtigt das betroffene Kind, die Gruppendynamik und die Verantwortung der Schule.
Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule
Es gibt mehrere gut etablierte wissenschaftlich untersuchte Anti Mobbing Programme, die jetzt in Frage kommen. Beim Start wird üblicherweise in Kürze definiert: wer ist das Opfer, wer ist Haupttäter, wo und wie erfolgt das Mobbing und wer ist Beteiligter oder auch Zuschauer.
In vielen Mobbing Programmen, wird die Klasse oder die Gruppe selbst genutzt, um das Mobbing zu beheben. Zuerst finden dafür meist Trainings in sozialer Interaktion, teils mit Rollenspielen auf Klassenebene und in Einzel-Coachings oder Gesprächen statt.
Im Anschluss werden feste neue Rollen definiert. Zum Beispiel werden bisher stille Zuschauer dazu ermutigt, aktiv gegen Mobbing zu wirken. Dem Täter und dem Opfer werden Helfer an die Seite gestellt, um bisheriges Verhalten nicht aufkommen zu lassen.
Die akute Phase dieser Programme sieht regelmäßige Abstimmungen und Ermutigungen der Schüler durch Lehrkräfte und teils externe Begleiter vor. Zudem muss auch die Wirksamkeit regelmäßig überprüft werden.
Eine zusätzliche Erhöhung der Wirksamkeit ist gegeben, wenn auch die Eltern in der Begleitung der Kinder ausgebildet werden.
Etablierte Programme gegen Mobbing
Bei den Programmen unterscheidet sich beispielsweise die Form der Vorarbeit: Trainings, Gespräche – einzeln oder in der Gruppe oder deren Kombination. Auch die Dauer und die Intensität beim Inhalt unterscheidet sich deutlich.
Ebenso macht es einen Unterschied, ob das Mobbing Opfer zuerst befragt wird (was es eventuell als “Petze” dastehen lassen kann). Oder aber, ob der Täter für ein Gespräch ohne Vorwarnung aus der Klasse geholt wird. Die Programme sind demnach auch unterschiedlich konfrontativ.
Mobbing Fachkräfte in der Schule
Idealerweise gibt es an der Schule bereits ausgebildete Mobbing Fachkräfte. In Studien1 ist ersichtlich, dass Kompetenzen in der Gesprächsführung sowie soziales Gespür seitens der PädagogInnen unumgänglich sind, um erfolgreich etwas gegen Mobbing in der Schule zu tun!
Meist ist das Ziel, das Mobbing sofort zu beenden und über einen Zeitraum von 2-8 Wochen die betroffene Gruppe mit unterschiedlichen Maßnahmen zu stabilisieren. Darüber hinaus wird häufig ein Kontrollzeitraum von mehreren Monaten festgelegt, um die Beendigung des Mobbings sicherzustellen.
Folgende Anti-Mobbing Programme stellen Böhmer und Steffgen (2020) inklusive der erprobten Wirksamkeit vor.
No Blame Approach: Institut fairend
Dieses Konzept sagt mir persönlich sehr zu. Denn es hat in Studien starke und vor allem sehr schnelle Wirksamkeit gezeigt und ist vielseitig bei Situationen und Altersklassen.
Shared Concern Methode
Die Methode ist bei physischer Gewalt nicht geeignet und wird erst ab der weiterführenden Schule eingesetzt.
Gegen-Gewalt-Konzept
Dieses Konzept ist nicht bei Cyber Mobbing geeignet, jedoch von Grundschulen und bis zur 8. Klasse anwendbar.
Systemische Mobbing Intervention
Ich selbst bin ausgebildete systemische Elterncoach und Expertin für Führung, Kommunikation, Neurodivergenz und emotionale Regulation. Ich stehe daher inhaltlich hinter dem systemischen Ansatz. Bei diesem Konzept ist erwähnenswert, dass es bereits für jüngere Kinder einsetzbar ist.
Farsta-Methode
Sie beinhält die Begleitung eines externen Farsta Teammitgliedes. Das Vorgehen ist konfrontativ, weswegen ich persönlich andere Modelle bevorzuge. Es gibt jedoch Ausgangslagen, in denen ein konfrontatives Vorgehen sinnvoll ist.
Sozialwirksame Schule
Auch dieses Programm ist empfehlenswert und baut auf dem systemischen Ansatz auf. Das Konzept ist besonders für stark von Gewalt und Mobbing betroffene, weiterführende Schulen ausgelegt.
Eltern: Wenn du zwischen Sorge, Wut und Unsicherheit feststeckst
Dein Kind muss nicht lernen, Mobbing besser auszuhalten. Es braucht Erwachsene, die die Dynamik erkennen, Verantwortung übernehmen und wirksam handeln.
Du möchtest dein Kind schützen, die richtigen Schritte einleiten und gleichzeitig verhindern, dass gut gemeinte Reaktionen die Situation noch verschärfen. Genau hier braucht es mehr als allgemeine Tipps. Ich verbinde Expertise in emotionaler Regulation und klare Führung unter Druck. Gemeinsam sortieren wir, was jetzt wirklich wichtig ist, welche nächsten Schritte tragen und wie du deinem Kind Sicherheit geben kannst, ohne dich selbst in Sorge oder Aktionismus zu verlieren.
Du wünschst dir Hilfe?
Wenn dein Kind gemobbt wird, kannst du eine wichtige emotionale Stütze sein. Dabei kann ich dir helfen.
2 Böhmer, M. und Steffgen, G. (2020) Mobbing an Schulen: Maßnahmen zur Prävention, Intervention und Nachsorge.
1 Kennedy, R.S. (2020) A meta-analysis of the outcomes of bullying prevention programs on subtypes of traditional bullying victimization: Verbal, relational, and physical.
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Von Marina Bernardo
Gründerin von Coachiba, Unternehmerin und zweifache Mama.
Alle Coachiba Blogbeiträge sind selbst verfasst, regelmäßig aktualisiert und umfangreich recherchiert.



