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Kindergrundsicherung 2025 Kritik

Nein zur Elterngeld­­streichung

Kein Elterngeld ab 2024?

Update: Es ist entschieden! Es wird die Elterngeldstreichung geben. Lies den Artikel zur Entscheidung – darin erfährst relevantes für Kinder und Familie: Kindergrundsicherung, Bafög, Schulinvestitionen, Elterngeld und mehr. Streichung Elterngeld 2024: Ein Rückschritt für Frauen und Mütter. Das Bundesfamilienministerium wird mit Druck des Finanzministeriums ab 2024 die Elterngeldstreichung für Familien und Alleinerziehende mit einem Gesamtjahreseinkommen von über 150.000 Euro. Kein Elterngeld ab 2024 sollte definitiv keine Option sein, unabhängig von der Höhe der Bemessungsgrundlage.

In diesem Artikel erfährst du, welche Auswirkungen verursacht werden und warum es auch für Eltern und Familien mit einem überdurchschnittlichem Grundeinkommen ein enormer Einschnitt ist.

Streichung Elterngeld 2024: betrifft Frauen, die zum Zeitpunkt der Entscheidung SCHWANGER sind. Denn das Stichdatum betrifft Geburten ab dem 1.1.2024.

Die Elterngeldstreichung ist in Summe gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch:

Elterngeldstreichung, kein Elterngeld

Verschlechterung des Gender Pay Gap

Das Einkommen vor der Geburt entscheidet üblicherweise darüber, wer die Elternzeit wie lange nimmt. Männer verdienen mehr und gehen seltener in Elternzeit und wenn doch, dann deutlich kürzer.

Destatis, das Deutsche statistische Bundesamt gibt an, dass 2021 45% der Mütter, mit dem jeweils jüngsten Kind unter 3 Jahren aktiv in Elternzeit waren. Bei Vätern waren es mit Kindern unter 6 Jahren nur 1,6%. Das heißt die Streichung im Elterngeld bezieht sich auf Mütter. Mütter sind finanziell bereits eh bedeutend schlechter gestellt als Väter.

Wir sprechen bei zwei Kindern durchschnittlich von 1 Million Euro Unterschied im Lebenseinkommen oder 62,5%! 

Soviel verdienen Mütter von 2 Kindern durchschnittlich weniger, als die Väter von 2 Kindern. Die Zahlen kommen aus einer Studie von Bönke et al. der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2020. Lies dazu den ganzen Artikel zum Gender Pay Gap mit Zahlen, Daten, Fakten und was du dagegen tun kannst.

Elterngeldstreichung, kein Elterngeld

Finanzielle Abhängigkeit durch Elterngeld­streichung

Streichung Elterngeld 2024: Das Elterngeld wurde ursprünglich bewusst ohne Einkommensgrenze eingeführt, um die Gleichstellung in Familien zu fördern. Das Elterngeld ist eine Einkommensersatzleistung, um Mütter abzusichern. Denn auch in Familien mit höherem Einkommen, ist meist der Vater der Hauptverdiener, zum Teil deutlich!

Die Elternzeit der Elternteile ist weit davon entfernt, fair geteilt zu werden. Unter anderem wegen dem existierenden Gender Pay Gap. Vermehrt sind Frauen zuhause und übernehmen die Carearbeit, da sie weniger Einkommen bekommen.

Wenn nun das Elterngeld entfällt, übernehmen sie eine komplett unvergütete Carearbeit. Diese wird unabhängig von der Entlohnung in unserer Gesellschaft bereits wenig geschätzt, obwohl sie ein sehr wichtiger Bestandteil ist.

Die Mütter verdienen dadurch nicht nur weniger akut in diesem Moment, sondern auch in der Rente. Die Altersarmut von Frauen ist aktuell bereits deutlich höher, als die von Männern. Und die Gesamtkonstellation erhöht ihre finanzielle Abhängigkeit von ihren Partnern. Jahrzehntelang wurde daran gearbeitet diese Abhängigkeit zu reduzieren und es ist die neue Norm als Frau unabhängig zu sein!

Da auch die Väter dadurch einen höheren Druck für die Einkommenssicherung der Familie haben, wird es Auswirkungen auf die Elternzeit von Vätern haben. Diese wurde langsam üblicher, zumindest für einen kurzen Anteil von 2 Monaten. Es gibt keine Initiativen, die Carearbeit anderweitig fairer aufzuteilen, daher trifft die Elterngeldstreichung auch die Chancengerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Der Mangel an Gleichberechtigung betrifft auch höher verdienende Eltern.

Elterngeldstreichung, kein Elterngeld

Einschränkung der Entscheidungs­freiheit

Streichung Elterngeld 2024: Ein Ziel des Elterngeldes war es außerdem, die Geburtenrate auch bei Akademikerinnen zu verbessern. Und gerade sie trifft jetzt die Streichung. Ich gehe nachher noch detailliert auf die Höhe der Bemessungsgrundlage ein.

Das Elterngeld ist auch gedacht, um Eltern zu unterstützen, im ersten Lebensjahr möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Denn die ganz jungen Jahre sind maßgeblich wichtig für die Bindung und die spätere Entwicklung des Kindes.

Durch den hohen Fachkräftemangel gibt es bereits vermehrt Druck auf Mütter, früher wieder zu arbeiten, mehr zu arbeiten und ihre Teilzeitarbeit stundenmäßig zu erhöhen. Wenn es aktuell nicht am Willen der Frauen scheitert, scheitert es dennoch an fehlenden Betreuungsplätzen.

Nun wird jedoch auch der Einkommensersatz in dieser Zeit reduziert, was den bereits bestehenden Druck einer früheren Rückkehr mit ggf. mehr Stunden auf Mütter zusätzlich erhöht.

Elterngeldstreichung, kein Elterngeld

Fehlende Kinderbetreuung

In Deutschland fehlen qualitativ hochwertige Betreuungsmöglichkeiten. Der Mangel an ErzieherInnen, aber auch der Mangel an Plätzen tragen zu Qualitätseinbußen in der Betreuung bei, die bei kleinen Kindern einen hohen Stellenwert einnehmen müssen.

Unabhängig von der Qualität der Plätze, gibt destatis an, dass Elternbefragungen des Deutschen Jugendinstituts aus 2011 und 2012 ergeben haben, dass 780.000 Plätze fehlten. In manch anderen Statistiken liest man Zahlen um 350.000.

Allerdings wurde unzureichend in den Ausbau von Kinderbetreuung investiert und die Zahl der jungen Kinder in Deutschland ist im selben Zeitraum unter anderem durch Zuwanderung erheblich gestiegen. Dazu gibt es einen Artikel vom Institut der Deutschen Wirtschaft, der auch auf die Geburtenraten eingeht. Daher gehe ich davon aus, dass aktuell noch mehr Plätze wirklich benötigt werden.

Elterngeldstreichung, kein Elterngeld

Kind oder Karriere

Wenn bis zu 1.800 Euro monatlich (Höchstsatz im Elterngeld) über einen Zeitraum von 12 Monaten entfallen, sprechen wir von 21.600 Euro – Streichung Elterngeld 2024 pro Familie. Es verschärft auf Grund der bereits aufgeführten Punkte die Entscheidung Kind oder Karriere. Denn die Ausgangslage der fehlenden Kinderbetreuung, steigender Kosten und höherer Abhängigkeit spricht gegen Kinder. Oder dafür, Kinder noch später zu bekommen, was die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind deutlich erhöht.

Elke Hannack des Deutschen Gewerkschaftsbundes setzt sich medienwirksam ein: „Junge Frauen, die viel zu oft unter großen Mühen, eine teure Ausbildung absolviert haben, werden sich gegen Kinder und für ihren Beruf entscheiden.“

Umso erschreckender, dass das Finanzministerium zwar alle Ministerien, außer der Verteidigung, kürzt. Für das Familienministerium werden jedoch nur 2,4% des Gesamthaushaltes kalkuliert.

Außerdem ist in vielen Branchen heute noch keine gute Basis zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben. Weswegen Frauen nach der Rückkehr aus der Elternzeit häufig in Positionen mit geringeren Qualifikationsanforderungen feststecken. Die Teilzeitfalle, die weitere Entwicklung in Einkommen und Tätigkeit ist im Vergleich zu Vätern und Frauen ohne Kindern deutlich ausgebremst. Dieser Aspekt trifft ganz besonders auf gut qualifizierte Frauen zu, die tendenziell wahrscheinlicher in der neuen Bemessungsgrundlage zu finden sind.

Die Geburtenrate in Deutschland liegt bei 1,58 Kinder pro Frau. Sie hat sich seit Einführung des Elterngeldes von knapp 1,3 deutlich verbessert, wobei das auch durch hohe Zuwanderrungsraten beeinflusst wurde.

Ein Geburtenrückgang bedeutet eine alternde Gesellschaft, die Auswirkungen betreffen die Wirtschaft, das Gesundheitssystem, Sozialsysteme, öffentliche Finanzen und mehr. Heisst das ggf. auch, dass Eltern, die Kinder ggü. Karriere priorisieren ihre Zukunft womöglich nicht mehr in Deutschland sehen? Was bedeutet erst das für unser Land?

Eine emotionale Diskussion rundum die Elterngeld­streichung

Sobald es um Geld geht sind viele Emotionen involviert. Die finanziell turbulenten Zeiten tun ihr Übriges, um die Gesellschaft in höher und geringer Verdienende zu spalten. Wer die Diskussionen in diversen Medien verfolgt, sieht, dass viele Argumente für die Elterngeldstreichung ab 2024 mit der Bemessungsgrenze zusammenhängen. Denn diese Eltern sind bereits privilegiert mit dem Einkommen.

Außerdem wird bemängelt, dass nun Stimmen laut werden, die bei der Kindergrundsicherung schweigen. Ja, auch hier sollten wir alle laut werden! Die Kindergrundsicherung soll von 12 Milliarden Euro auf 2 Milliarden Euro reduziert werden! Lies dazu auch gerne den in Kürze kommenden Folgeartikel zu den AUswirkungen der Beschlüsse!

Bei der Kindergrundsicherung geht es darum, bessere Chancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu schaffen und sich auf die zu konzentrieren, die am meisten Hilfe brauchen. Denn die Armut in Deutschland und vor allem die Kinderarmut nimmt stetig zu. Kinder kommen hungrig in die Schule, können nur mit Spenden an Schulausflügen teilnehmen usw. Sie betrifft mittlerweile eines von fünf Kindern.

Da wirkt es doch fair, Geld von besser verdienenden zu nehmen und dies hier einzusetzen? Oder für die Modernisierung von Schulen, Investition in Pflegekräfte, den Lehrermangel und Mangel an ErzieherInnen oder etwas anderem was wenigstens unseren Kindern zugute kommt. Dem ist aber nicht so, der Fokus liegt aktuell und in der nahen Zukunft bei der Aufrüstung.

Auch ein wichtiges Thema, keine Frage. Aber was sagt das aus, wenn Familien und Kinder aus dem Fokus rücken? Die Entscheidung gegen Elterngeld, Ausbau der Kinderbetreuung, die Kindergrundsicherung zeigen mir, dass Kinder in Deutschland viel zu wenig Wertschätzung erfahren. Ich plädiere dafür, Kinder wieder in den Fokus zu rücken, denn sie sind unsere Zukunft!

setze dir größere Ziele

Wissenswertes zur Bemessungs­grundlage

Jetzt setze ich mich so richtig in die Brennesseln, das ist mir bewusst. Denn die 150.000 Euro, die für die Streichung von Elterngeld ab 2024 relevant sind, sind der Dreh- und Angelpunkt in vielen Diskussionen. Dennoch werden die Zahlen in vielen Beispielen nicht richtig interpretiert. Ich möchte etwas Licht ins Dunkel bringen.

Es geht nicht um 150.000 Euro Bruttoeinkommen, sondern um das zu versteuernde Einkommen von 150.000 Euro. Das macht die genaue Identifikation etwas schwieriger, denn Abzüge für Werbungskosten, Vorsorgeaufwändungen, Sonderausgaben und sonstiges sind individuell unterschiedlich hoch. Deswegen rechne ich im kommenden Beispiel mit 170.000 Euro gemeinsamen Einkommen. Paare oder Alleinerziehende mit diesem Einkommen fallen jedoch auch unter den Spitzensteuersatz von 42% und zahlen damit bereits mehr Steuern und Abgaben.

Ein Gedanke der mir diesbezüglich nicht aus dem Kopf geht, ist der, dass es vor dem Elterngeld das sogenannte Erziehungsgeld gab. Da wurde schrittweise die Bemessungsgrenze reduziert, bis es abgeschafft wurde. Ok, dann gab es das Elterngeld. Aber ich möchte einfach mal darauf hinweisen, wenn du die Bemessungsgrenze von 150.000 Euro als fair betrachtest, ab welcher Höhe wäre sie für dich nicht mehr fair? Gegebenenfalls, kommt das in Zukunft noch auf uns zu.

Kindererziehung Erziehungsstile, Kinder richtig erziehen

Beispiel: Auswirkungen der Elterngeld­streichung

Nehmen wir mal Adam und Eva als Beispiel. Adam verdient 95.000 Euro und Eva 75.000 Euro – gemeinsam 170.000 Euro. Eva ist ziemlich schockiert, denn sie ist schwanger. Mit ihrem errechneten Geburtstermin fällt sie in den Zeitraum, in dem sie kein Elterngeld mehr bekommen würde. Eva hat 5 Jahre lang studiert. Sie zahlt noch ihren Studienkredit zurück. Ein derart hohes Gehalt verdient sie erst seit einem Jahr, seitdem sie den Job gewechselt hat.

Bei ihrem Mann Adam ist das Gehalt jeweils unterschiedlich, denn wie bei höheren Gesamteinkommen häufig üblich, ist sein Gehalt nicht ein besonders hohes Monatsgehalt. Es hat einen hohen Anteil an variablem Gehalt, eine Erfolgsvergütung. Abhängig von Unternehmenserfolg etc. Während der Covidpandemie ging es seinem Arbeitgeber nicht besonders gut, weswegen seine Tantieme gering ausfiel. Sie konnten zwar ihre Kosten decken, aber die steigenden Kosten treffen auch sie. Es war ihnen nicht möglich nenneswerte Reserven anzulegen, die anscheinend von ihnen erwartet werden.

Außerdem ist Eva bewusst, dass Plätze für Kinderbetreuung in Großstadtnähe exorbitant teuer sein können, wenn man denn einen bekommt. Sie hat kein Gefühl dafür, wieviel Elternzeit sie wird nehmen können oder müssen und wie dann die Finanzeirung des Krippenplatzes aussieht, um ggf. wieder früher als ursprünglich geplant einzusteigen.

Auch hat sie schlussendlich wenig Vorstellung, wieviel Gehalt ihr mit Sicherheit zukünftig bleibt, wenn sie in Teilzeit nach der Elternzeit zurückkehrt und wieviel Ausgaben sie und Adam für die anfallende Kinderbetreuung rechnen müssen. Das kann bedeuten, dass sie auch weiterhin keine Rücklagen oder nur wenige, bilden können und auch ein zweites Kind ein großes Risiko darstellt.

Folgende Kalkulationen stellen sie auf: Laut nettolohn.de, da sie keine Steuer- und Abgabenexperten sind 😉

Adam: Netto Jahresverdienst: 53.417; Netto Monatsverdienst: 4.452 (wir lassen den Anteil der Tantieme der Einfachheit außen vor, wodurch sein Monatseinkommen höher ist, als es real wäre!)

Eva: Netto Jahresverdienst: 43.992; Netto Monatsverdienst: 3.666

Aktuell verdienen Adam und Eva also zusammen pro Monat: 8.118 EUR

Mit Elterngeld in Höhe von 1.800 EUR, würde sich der Monatsverdienst auf 6.252 EUR reduzieren.

Ohne Elterngeld sind es noch 4.452 EUR … Es sind 45% Reduktion des monatlich verfügbaren Einkommens, obwohl sie dann eine Person mehr sein werden. Und immer noch 29% weniger als mit Elterngeld!

Die Unterschiede sind also gravierend und Adam und Eva in ihrer jetzigen Lebenssituation nicht darauf ausgerichtet.

Meine persönliche Erfahrung

Meine Arbeit in der Beratung zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie bezieht sich genau auf die Punkte der Gleichberechtigung. Frauen werden in der Berufswelt im familienfähigen Alter immer noch stark benachteiligt und mit Kind sowieso!

Nicht selten spreche ich mit kinderlosen Frauen, die sich den Kopf zerbrechen, ob Karriere mit Kindern überhaupt möglich ist. Es ist möglich, aber es steckt harte Arbeit dahinter. Es ist auch bei gut und sehr gut verdienenden Frauen Thema, dass sie sich durch Kinder in eine deutlich stärkere Abhängigkeit ihres Partners begeben. Viele verschieben den Kinderwunsch auf später, da sie sich auf Grund der geschilderten Ausgangslage wie bei Adam und Eva eben noch keine großen Rücklagen bilden konnten.

Die Entscheidung für die Elterngeldstreichung ab 2024 wird daher Auswirkungen haben. Ich möchte nicht die Rollen tauschen mit dem Finanzministerium. Ich habe selbst an vielen Kostensenkungsprojekten in Unternehmen gearbeitet und weiß, wie schwer Entscheidungen fallen. Aber dabei habe ich auch gelernt, dass man bei jeder möglichen Kostensenkung die Auswirkung auf den zukünftigen Umsatz bedenken muss. Und hier treffen wir genau die Mütter, von denen mehr Kinder gewünscht werden.

Ein klares Nein zur Elterngeld­streichung!

Die Streichung von Elterngeld ab 2024 ist für mich auf Grund der vielen, relevanten Auswirkungen eine ungünstige Entscheidung. Lies im Folgeartikel mehr zu weiteren Auswirkungen für Familien und Kinder, durch Entscheidungen, die Elterngeld, Kindergrundsicherung, Bafög, Schulinvestitionen und mehr betreffen.

Deine Marina Eltern und Karriere Coaching