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Kinder mit zur arbeit nehmen mit Patricia Zupan-Eugster

Im Gespräch

Patricia Zupan-Eugster über Kinder mit zur Arbeit nehmen. Das klappt!

Patricia Zupan-Eugster ist gleich eine vielfach spannende Interviewpartnerin! Sie spricht über das Thema Kind und Karriere und wie es ist Kinder mit zur Arbeit zu nehmen. Mama, Unternehmerin, Initiatorin des Female Future Festivals und ehrenamtlich engagiert. Patricia gründete und leitet gemeinsam mit ihrer Schwester, Verena Eugster, W3create.

Patricia hat 6 Jahre lang ihre Kinder als Babys und Kleinkinder bei der Arbeit und bei Meetings mit dabei gehabt. Vieles ist möglich, wenn man es sich traut!

Als erfolgreiche Unternehmerin und Mama von 3 Kindern, ist Patricia’s Leben genauso spannend, wie das Leben, der Frauen, die sie bei den Female Future Festivals auf die Bühne holt. Dieses Event ist trotz Corona voll durchgestartet! 2019 erstmals organisiert und in 2023 schon international für Frauen in München, Zürich, Bregenz, Graz, Linz, Innsbruck und Wien zugänglich! Unglaublich!

Falls du mich, Marina, noch nicht kennst … Ich berate Eltern und Unternehmen rundum Karriere mit Kindern.  Denn Vereinbarkeit muss komplett neu gedacht werden! Bedürfnisoriertiert für die Kinder und natürlich auch die Eltern und ArbeitgeberInnen. Im Blog findest du viele beispielhafte Modelle und auf der Website alles zu meinen Tätigkeiten und Referenzen. 🙂

Interview

Marina: Du warst mit deinem ersten Kind schwanger als du gemeinsam mit deiner Schwester W3create gegründet hast. W3create ist in den letzten Jahren allerdings enorm gewachsen, nicht zuletzt durch das erfolgreiche Female Future Festival. Selbstständigkeit birgt bekanntlich das Risiko von «selbst und ständig».
Was bedeutet es schwanger und selbstständig zu sein, beziehungsweise Kinder zu haben, auch Kinder mit zur Arbeit zu nehmen und ein Business zu führen?

Patricia: Da ist was Wahres dran, ich bin wirklich ständig dran, aber Gott sei Dank war ich nie alleine.

Es war und ist ein enormer Vorteil meine Schwester Verena als Co-Founderin dabei zu haben. Sie ist auch die Taufpatin unserer 3 Mädchen und es gibt wirklich sehr lustige Fotos, als meine Töchter im Büro gekrabbelt sind und wie sie jedes Teammeeting und auch jeden Kundentermin mitgemacht haben.

Ich betrachte es auf jeden Fall als Vorteil Mutter und Unternehmerin zu sein und mir mein Business selbst einzuteilen und flexibel zu arbeiten.

Termine mit Baby und Kinder mit zur Arbeit nehmen!

Marina: Du hattest deine Kinder als Babies und Kleinkinder bei Meetings mit dabei. Ich kenne das von mir selbst auch. Allerdings ist das noch die absolute Seltenheit. Welche Erfahrungen hast du gemacht, deine Kinder mit zur Arbeit zu nehmen? Und wie haben deine Geschäftspartner auf die ungewöhnliche Begleitung reagiert?

PatriciaIch hatte alle drei Mädchen die ersten 6 Monate bei allen Meetings dabei. Später zum Teil auch immer wieder. Ich habe in all der Zeit nur positive Erfahrungen gemacht und die GeschäftspartnerInnen waren es dann auch irgendwann gewohnt, dass sie mich nur im Doppelpack bekamen.

Natürlich geht das nicht mit jedem Kind und in jeder Situation. Ich möchte aber durchaus eine Lanze dafür brechen, Vereinbarkeit neu zu denken und sich auch zu zutrauen neue Wege zu gehen!

Was soll schon passieren?

Marina: Perfektionismus in Familien: Die eigene Erwartungshaltung kann die nötige Flexibilität ausbremsen und häufig die Mutter sich selbst unter enormen Druck setzen, wenn sie Kind und Karriere ermöglichen will. Wie gehst du selbst mit diesem Druck um? Gibt es einen Tipp deinerseits wie man damit umgehen kann oder ein Insight was seitens des Arbeitsgebers möglich ist, um derartigen Druck zu reduzieren?

Patricia: Ich habe bemerkt, dass vorallem die gesellschaftlichen Erwartungen Mütter unter Druck setzen.

Ich mache das so, dass ich jeden Abend meinen Tag reflektiere. Die erste Frage dabei ist immer, geht es unseren Kindern, meinem Mann und mir gut? Ich kann die Frage glücklicherweise immer mit Ja beantworten und dann ist alles andere Nebensache! Das hat mir den Druck immer genommen.

Ich glaube gute ArbeitgeberInnen wissen ganz genau wie wichtig Flexibilität für Eltern ist. Das wird in den nächsten Jahren noch wichtiger werden, nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter. Die ArbeitgeberInnen können aber nur aufzeigen, dass flexibles arbeiten möglich ist und Verständnis und Vertrauen sowieso da sein muss. Den Druck und den Perfektionismus muss aber jede Mutter selbst ablegen.

Marina: Deine 3 Kinder sind nun in der Schule. Du sagtest die Schule birgt nochmal neue Herausforderungen nach einer relativ entspannten und flexiblen Kindergartenzeit. Wie gestalten du und dein Mann die Kinderbetreuung? Wie flexibel arbeitet ihr beiden? Was sind eure Must-Haves im Alltag?

Patricia: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es für unsere Kinder wichtig ist, dass Mittags ein Ansprechpartner zuhause ist, der gemeinsam mit den Kindern über den Vormittag spricht!

Deswegen ist immer einer von uns beiden Mittags zuhause. Montags arbeite ich ganztags und bin dann zum Abendessen da. Dienstags und Mittwochs bin ich Mittags schon da und kann wieder arbeiten, wenn die Kinder bei schönem Wetter draußen spielen oder einem ihrer Hobbies nachgehen. Das Abendessen verbringen wir eigentlich meistens gemeinsam.

Marina: Ja, Karriere und Familie sind möglich. Die plötzlich kranken Kinder, Home Schooling, aber natürlich auch Geschäftsanrufe und dringende Mails während der Familienzeit oder Events am Abend und/oder Wochenende beeinflussen sich gegenseitig. Wie gehst du damit um?

Patricia: Wenn meine Kinder krank sind, sage ich meine Termine ab. Es ist mir ein großes Anliegen mich selbst, um meine Kinder kümmern zu können, wenn es ihnen nicht gut geht. Das ist ein großer Vorteil der Selbstständigkeit. Häufig ist es ja so, dass sie doch auch mal ein Buch lesen, eine kurze Sendung schauen, um sich auszuruhen und ich derweil einen wichtigen Anruf oder Nachricht erledigen kann. So ist das auch mit dringenden Themen während der Familienzeit und der Papa ist dann ja auch da. Das darf jedoch nicht zu viel werden.

Vieles ist möglich, wenn ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen sich vertrauensvoll aufeinander einlassen. Wir bieten unseren MitarbeiterInnen selbstverständlich auch diese Möglichkeit in Vertrauensarbeitszeit.

Ich habe das Glück mit den Events einen recht «coolen» Job zu haben. Da kommen meine Kinder auch heute immer nochmal mit und verteilen

Was bietest du als Arbeitgeberin Eltern im Beruf?

Marina: Flexibilität und Vertrauen wird von beiden Seiten benötigt wird: ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen. Was ermöglicht euer Unternehmen W3create und du als Führungskraft, Eltern im Beruf? Manchmal scheint es so, dass Flexibilität nur Vorteile für Arbeitnehmer birgt. Welche Vorteile gewinnt ihr als Unternehmen? Gibt es auch Nachteile und wenn ja, wie löst ihr diese?

Patricia: Wir bieten unseren MitarbeiterInnen die Möglichkeiten von Remote work, Workation, flexiblen Vertrauensarbeitszeiten und Teilzeitmodellen.

Damit halten wir wichtiges Know-How im Unternehmen. In Summe fahren wir damit sehr gut. Wenn auch die Flexibilität hinsichtlich kreativen Tätigkeiten eine Herausforderung sein kann.

Wir machen die Erfahrung, dass reine online Kollaboration oder vor-Ort Arbeit sehr gut funktioniert, Hybridmodelle jedoch die schwierigsten in der Umsetzung sind.

Ich versuche so viele Regeln wie notwendig und so wenig Regeln wie möglich ins Unternehmen zu bringen. Zu viele Regeln machen uns in der Zusammenarbeit starr. Je flexibler ich als Unternehmerin bin, desto mehr Flexibilität erwarte ich auch von meinen MitarbeiterInnen. Wir fahren gut so, unser Team umfasst jetzt 16 Personen. In dieser Größenordnung ist das gut machbar.

Marina: Eine der Sorgen vieler Eltern bei Karriere mit Kindern ist, dass die Kinder zu kurz kommen. Und das wird ihnen häufig auch vorgeworfen. Woran machst du fest, dass das in deinem Fall nicht so ist? Was tust du explizit dafür, dass deine Kinder eben nicht zu kurz kommen?

Patricia: Unsere Kinder waren immer schon sehr aufgeschlossen, selbstständig und neugierig. Wir versuchen feste Zeiten zB. für Mittagessen, Abendessen einzuhalten, Zubettgehen hat Rituale und wir nehmen uns dort viel Zeit. Auch die Wochenenden sind Qualitytime, wir unternehmen etwas als Familie. Alles andere ist ziemlich flexibel gehalten.

Ich glaube auch, dass es einen hohen Wert hat, wenn die Kinder sehen, dass Papa und Mama richtig gern arbeiten gehen. Das Arbeit nicht was schweres, notwendiges ist, sondern das es Spaß macht!

Meine Kinder freuen sich auf jeden Fall jetzt schon wenn sie endlich arbeiten dürfen und genau das arbeiten dürfen was ihnen Spaß macht.

Marina: Gibt es etwas hinsichtlich Karriere mit Kindern, von dem du rückblickend wünschtest, du hättest es anders gemacht? Oder was wünschtest du, hättest du vorher schon gewusst und wärest gerne darauf gewappnet gewesen? Was sind aus deiner Sicht die Themen, die keiner anspricht, wenn es um Karriere mit Kindern geht?

Patricia: Es ist wichtig auf sich selbst zu hören, nicht auf die gesellschaftlichen Erwartungen, sondern selbst einzuschätzen was deiner Familie und dir guttut.

Das, was eine riesige Herausforderung für berufstätige Eltern ist, ist das Bildungssystem mit ihren starren Strukturen, viel Druck und mit viel zu viel Hausaufgaben. In diesem Bereich ändert sich leider gar nichts, so kann es aber nicht weitergehen.

Mental Load ist inzwischen ein echtes Problem. Dabei geht es um die Überforderung von Alltagsaufgaben, die gemeinhin als nicht der Rede wert erachtet werden. Es ist aber unglaublich an wie viele Kleinigkeiten gedacht werden muss.

Das gehört geändert und dafür sollten sich alle Eltern, egal ob es für sie einfach oder weniger einfach ist den Alltag zu organisieren, einsetzen. Es geht nur miteinander.

Die Entstehung des Female Future Festivals!

Marina: Du und deine Schwester waren bei einem Event für Selbstständige und Start-Ups. Der Moderator erwähnte, dass damals fast 50% der Gründungen durch Frauen erfolgten. Und genau das war in dem anwesenden Publikum nicht repräsentiert, fast ausschließlich Männer waren anwesend. Das war der Start für Eure Events Female Future Festivals, die sich sehr erfolgreich etablieren und die ihr in kürzester Zeit auch international erfolgreich anbietet. Was genau macht dieses Event so besonders?

Patricia: Es ist wie jeder Erfolg auf die Menschen zurück zuführen.

Wir haben einfach die besten SpeakerInnen und Role Models auf der Bühne und die TeilnehmerInnen, aber auch unser Team machen diesen tollen Spirit aus!

Am Female Future Festival scheint alles möglich zu sein und genau das brauchen wir alle um einen Schritt weiter zu gehen, sei es einen nächsten Step in der Karriere zu machen, ja zu sagen zu einer Chance, ein Projekt endlich anzugehen, das wir schon viel zu lange vor uns herschieben oder viele andere Sachen…

Was brauchen Familien, damit Karriere mit Kindern selbstverständlicher wird?

Marina: Was wünschtest du, wäre im Kontext Kind & Karriere möglich, was es heute in dieser Form (bei uns) noch nicht gibt?

Patricia: Flexibilität und Wahlfreiheit hinsichtlich Kinderbetreuung, sodass die Eltern auch eine passende Konstellation für sich und ihr Kind finden können.

Manche Kinder brauchen vormittags einfach noch die nahen Bezugspersonen und würden sich erst Nachmittags in der Betreuung wohlfühlen. Wenn sich Eltern, Kinder und Betreuer diese Flexibilität ermöglichen können, wäre vieles leichter.

Auch würde das das Zurückkehren in den Beruf enorm erleichtern. Wir müssen mehr Anreize schaffen um Arbeit wieder attraktiver zu machen, dazu gehört neben steuerlicher Entlastung für Familien auch ein Bildungssystem das auf die Bedürfnisse von arbeitenden Eltern und den Kindern angepasst ist.

Marina: Was rätst du jungen Eltern im Kinderwunsch und anschließend mit Baby und Kleinkind, die nicht auf ihr Berufsleben und ihre Karriere verzichten möchten?

Patricia: Legt euch ein Konzept zurecht, dass für euch und eure Kinder passt, hinterfragt es ständig und ändert es dann auch, wenn es nicht mehr das richtige ist. Und der wichtigste Tipp: Hört nicht auf gut gemeinte Tipps! 😉

Vielen herzlichen Dank fürs Teilen deiner ganz persönlichen Erfahrungen, Patricia!

Kinder mit zur Arbeit nehmen

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