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Frank Behrendt über Arbeitsteilung und Familien Management und mehr Zeit für die Familie

Im Gespräch

Frank Behrendt über Arbeitsteilung und Familien Management!

Frank Behrendt ist Vater von 3 Kindern, Kommunikationsberater, Speaker und Autor. Mit seinem Buch „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller. 2017 änderte er seinen Fokus, von der ehemals 60 oder mehr Stunden-Woche und wechselte aus dem Vorstand einer Agentur in die Selbstständigkeit, hin zu mehr Flexibilität und Zeit für die Familie. Wie kann eine neue Arbeitsteilung in der Familie aussehen?

Der Schritt erlaubte es der Familie, die Arbeitszeit der Eltern neu zu verteilen, jedem seinen beruflichen Freiraum zu ermöglichen und dennoch ausreichend Zeit für die Kinder zu haben. Warum er den Schritt ging, was er sich erhoffte und auch befürchtete sowie was tatsächlich passierte, berichtet Frank im Interview.

Falls du mich, Marina, noch nicht kennst … Ich berate Eltern und Unternehmen rundum Karriere mit Kindern.  Denn Vereinbarkeit muss komplett neu gedacht werden! Bedürfnisoriertiert für die Kinder und natürlich auch die Eltern und ArbeitgeberInnen. Im Blog findest du viele beispielhafte Modelle und auf der Website alles zu meinen Tätigkeiten und Referenzen. 🙂

Interview

Marina: Du hast lange Zeit deutlich mehr gearbeitet und weniger Zeit für deine Familie gehabt. Indirekt war dein eigenes Buch der Auslöser: was ist passiert? Was hast du dir bezüglich deiner neuen Lebensplanung erhofft und was befürchtet?

Frank: Ich hatte schon viel früher – nach dem Scheitern meiner ersten Ehe – das Bedürfnis, andere Prioritäten zu setzen. Mein Fokus lag zum großen Teil auf dem beruflichen Fortkommen und die Familie musste hinten anstehen. Das Ergebnis war das Zerbrechen der Beziehung, man muss nicht darum herumreden und erzählen, daß beide Partner schuld waren. Ich trage die Hauptverantwortung, habe mich von Karriere und Geld motivieren lassen und vergessen, um was es wirklich geht im Leben.

Mein Coach Bertold Ulsamer, mit dem ich mein neuestes Buch „Von Kindern lernen“ geschrieben habe, hat mir geholfen, mich neu zu justieren. Deshalb auch der Titel meines Buches „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“, das war am Ende eine Botschaft an mich selbst, um den Fokus nicht mehr zu verlieren.

Erhofft habe ich mir natürlich ein glücklicheres Leben, bei dem alles unter einen Hut zu bekommen ist und alle Familienmitglieder happy sind. Befürchtet habe ich eigentlich nichts, die Scheidung war traurig genug, es konnte nur besser werden.

Marina: Was war notwendig, um dein Ziel auch zu erreichen?

Frank: Ich habe mein Ziel erreicht, das kann ich aus voller Überzeugung sagen. Dazu gehört aber auch eine entsprechende Härte, es wirklich durchzuziehen, mit allen Konsequenzen.

Und eines sollte klar sein: Mehr Zeit zu haben und zu glauben, man zahlt keinen Preis dafür, das ist Fiktion. Es heißt immer so schön: Zeit ist Geld. Ich sage inzwischen: Mehr Zeit heißt weniger Geld.

Die Frage ist dann, was ist einem mehr Wert. Bei mir ist es ganz klar mehr Zeit, die ich mit meinen Herzensmenschen verbringen kann.

Eine neue Arbeitsteilung in der Familie

Marina: Aprospos Familienleben … Ausgehend von einem ursprünglich eher klassischen Familienmodell – du hast Vollzeit gearbeitet, deine Frau nach den Elternzeiten in Teilzeit – hat sich bei euch inzwischen einiges verändert. Was waren für euch und dich die überraschendsten Ergebnisse mit eurem neuen Modell?

Frank: Für uns war und ist das eine Reise, man schaltet ja nicht einfach um, sondern Dinge entwickeln sich. Man probiert Sachen aus, verlagert Verantwortlichkeiten, strukturiert Abläufe im Familienmanagement um.

Viele berufliche Konstellationen, die einem zunächst statisch erscheinen, lassen sich variieren. Ich bin zum Beispiel aus einer Festanstellung in die Selbstständigkeit gewechselt. Meine Frau ist angestellt, arbeitet jetzt Vollzeit. Für mich war das natürlich ein Risiko, auch finanziell. Aber ohne Mut wird das nun Mal nichts mit Veränderungen. Ich habe es nicht bereut.

Überraschend war für uns als Paar, dass wir durch das neue Modell viel mehr miteinander im Gespräch waren, eine ganz andere Form von Nähe hatten, auch neben dem Paar sein. Wir sind seitdem auch ein Management-Duo, das ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen leitet. Zudem steht das WIR jetzt im Mittelpunkt und nicht mehr zweimal das oft isolierte ICH.

Marina: Die Auswirkungen auf euch als Paar finde ich besonders spannend. Wie sieht denn eure jetzige Arbeitsteilung in der Familie aus? Was sind eure Must-Haves, damit das Familienleben und der jeweilige Beruf gut funktionieren?

Frank: Wir definieren Partnerschaft in allem als echtes Partnermodell. Wir arbeiten beide und sorgen so für ein Familien-Gesamteinkommen. Alle Aufgaben werden so aufgeteilt, dass der Wochenplan optimal funktioniert für alle Beteiligten.

Für mich ist es zum Beispiel selbstverständlich, dass ich jeden Tag die Küche und die Wohnung aufräume, mich um den Hund kümmere und für die Transport-Logistik der Kinder zur Schule oder ihren vielfältigen sportlichen Aktivitäten sorge.

Meine Frau ist die deutlich bessere Köchin, da macht es wenig Sinn, wenn ich jeden Tag Spiegeleier zubereiten würde. 😉 Auch im Bereich der Hausaufgabenbetreuung, beim Erklären von Schulstoff ist meine Frau viel besser. Ich bin da eher der kreative Impulsgeber und biete Mehrwert für Referate und Präsentationen.

Meine Frau ist durch ihre Festanstellung naturgemäß nicht so flexibel wie ich als Selbstständiger, auch wenn sie zum Glück viel im Homeoffice arbeiten kann, was das Leben auch sehr erleichtert. Sie hat zu Hause ein eigenes Arbeitszimmer, bei dem sie auch die Tür zumachen kann. Ich habe meinen Platz, wir kommen uns überhaupt nicht ins Gehege – im Gegenteil, wir freuen uns, wenn wir uns auf einen Kaffee treffen oder das Mittagessen gemeinsam mit den Kindern genießen. Zudem haben wir uns durch die „Hello Fresh“ Kochboxen ein smartes Hilfsmittel gegönnt, das uns das Verpflegungsleben erheblich erleichtert und viel Zeit spart.

Must-Have ist bei uns ein „Briefing“ am Vorabend, wo genau besprochen wird, wie der kommende Tag strukturiert wird und wer was wann macht. Da muss dann auch mal umdisponiert werden, wenn etwas nicht nach Plan läuft oder ein Kind krank wird. Aber als Dream-Team kriegen wir das immer hin. Das Zauberwort heißt viel kommunizieren.

Die beste Zeit ist übrigens die Abendrunde mit unserem Hund. Die Zeit an der frischen Luft, abseits der Tageshektik genießen meine Frau und ich ohne Handies maximal. Da tauschen wir uns über alles aus, lachen über die Highlights des Tages.

Auswirkungen auf euer Familienleben

Marina: Durchdachtes Set-up und Kommunikation als A und O, plus gemeinsam den Abend mit Hund ausklingen zu lassen, klingt gut! Da deine jüngeren Kinder schon Teenager sind und deine größere Tochter bereits erwachsen, würde mich auch sehr interessieren, wie sie euer neues Familienmodell bewerten und was sich für sie verändert hat!

Frank: Die Kinder sind natürlich begeistert, dass immer jemand von uns verfügbar ist, auch wenn die Eltern arbeiten, sind sie da.

Unsere Kinder haben da inzwischen sehr kreative Kommunikationstools entwickelt, so dass sie selbst bei Video-Calls mit uns kommunizieren und Entscheidungsvorlagen eingereicht werden. Meine Frau und ich sind uns immer total einig, lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Ein Nein ist ein Nein, egal wer es verkündet. Aber auch bei Ja-Entscheidungen sind wir uns einig. Vor allem entscheiden wir schnell, für langes Palaver haben wir keine Zeit.

Natürlich müssen die Kinder auch mehr mithelfen. Externe Supportkräfte wie Putzfrau und Fensterputzer haben wir aus Kostengründen eingespart, das erledigen wir selbst. Die Kinder haben dazu feste Putzpläne erhalten, was sie wann wie zu reinigen haben. Meine Frau und ich machen dann die Abnahme. Am Anfang musste oft nachgearbeitet werden, inzwischen gibt es kaum noch Beanstandungen.

Marina: Eine so umfangreiche Veränderung ist für viele Eltern unvorstellbar, auf Grund der Risiken und entstehender Verzichte. Auf was verzichtet ihr? Wie geht es euch damit?

Frank: Na klar gibt es Veränderungen, wenn man sich für mehr Zeit anstatt mehr Geld entscheidet. Die Zeiten, daß finanziell alles möglich ist, sind vorbei. Aber dafür haben wir eben auch viel mehr Zeit zusammen und das wissen auch die Kinder sehr zu schätzen.

Nur ein Beispiel: Mein Sohn (15) spielt in der Jugend-Basketball-Bundesliga, hat fast täglich Training in Bonn. Das wäre an Langtagen in der Oberstufe logistisch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu schaffen, also fahre ich ihn hin, arbeite dann während er trainiert remote vor einer Basketballhalle. Seitdem liebe ich Supermärkte, die in ihren Cafés und auf den Parkplätzen stabiles WLAN haben!

Früher haben wir deutlich mehr Urlaub gemacht, das machen wir jetzt noch einmal im Jahr, unternehmen dafür mehr in der Nahdistanz. Teure Fernreisen machen wir nicht mehr, dafür geht’s jetzt auf eine Nordseeinsel oder an die Atlantikküste nach Frankreich in ein gemietetes Ferienhaus.

Interessant: Wenn man die Kinder fragt, welcher Urlaub am coolsten war, dann nennen sie nicht den früheren tollen Luxus-Urlaub auf Mauritius, sondern den, als wir im letzten Jahr alle auf Luftmatratzen in Frankreich campierten. „In Frankreich haben wir am meisten zusammen gelacht“, war die Message der beiden Teens. Die machte meine Frau und mich wirklich glücklich.

Marina: Immer wieder extra spannend, wie Kinder Dinge einordnen. Aber wie ist es mit Dir persönlich? Wie definierst du Erfolg und hat dein beruflicher Erfolg unter deiner Entscheidung anders und weniger zu arbeiten gelitten?

Frank: Früher war für mich Erfolg ein toller Titel auf der Visitenkarte, Beförderung, ein großer Dienstwagen, ein schickes Büro, eine Lufthansa-Senator-Karte, ein Top-Gehalt und ein fetter Bonus. Heute lache ich darüber und schüttle über mich selbst den Kopf.

Wenn ich darüber nachdenke, daß ich früher manchmal zum Jahresende noch mal ohne Sinn von A nach B geflogen bin, um meinen Gold-Status bei einer Airline zu verlängern oder eine Willi-Wichtig-Klasse höher zu kommen, dann gruselt es mich regelrecht.

Erfolg ist für mich heute, eine glückliche Familie zu haben und das Leben mit ihr maximal zu genießen. Natürlich könnte ich auch heute noch irgendwo Vorstand sein, viel Geld verdienen und mir alles leisten. Aber dann könnte ich nicht morgens mit den Kindern frühstücken, Mittag- und Abendessen, mit meiner Frau zwischendurch mit dem Hund unterwegs sein, intensiv am Leben meiner Kinder teilnehmen und vieles mehr.

Marina: Aber sicher ist es auch so, dass bei Dir vieles möglich ist, da du beruflich sehr flexibel bist. Wäre diese Flexibilität auch in regulärer Festanstellung möglich? Was können Arbeitgeber aus eurer Erfahrung lernen oder ihrerseits durchaus ermöglichen?

Frank: Das Leben, so wie wir es aktuell gestalten, wäre aus meiner Sicht nicht möglich, wenn wir beide festangestellt wären.

Dennoch bieten die neuen digitalen Möglichkeiten auch heute schon sehr viel mehr Gestaltungsspielraum, um Arbeit und Leben besser miteinander zu verbinden. Ich sehe mit Freude viele Unternehmen, die mit Vertrauensarbeitszeit arbeiten, Präsenzzeiten flexibilisieren, mehr Wert auf das Arbeitsergebnis legen und nicht auf den Ort und die Zeit, wann und wo es erbracht werden muss. Wichtig ist doch – und dabei helfen die vielen tollen Projektmanagement-Tools, dass die Arbeitsergebnisse just-in-time vorliegen, damit der geplante Prozess vernünftig weitergehen kann.

Ich sprach kürzlich mit einer Chefin eines Start-ups die mir sagte: „Wenn das erwartete Ergebnis vor der Deadline in Top-Qualität vorliegt, dann ist es mir völlig egal, wann und wo es erbracht wurde.“ Zudem sagte sie auch, dass Leute, die effizienter und bessere Ergebnisse erzielen, die eingesparte Zeit für sich selbst nutzen können. Da müssen wir hinkommen, dass ausschließlich Ergebnisse zählen.

Auch die Flexibilisierung von Homeoffice ist ein riesen Vorteil für Familienmanagement. Oft liegen die Probleme ja in der Logistik mit dem Hin- und Herfahren von Kindern, dem Kümmern um Oma, dem Öffnen der Haustür für den Kurierfahrer oder dem Beaufsichtigen eines Handwerkers. Das lässt sich bei einer Work-Life-Integration powered by Homeoffice viel besser regeln, als wenn man auch noch ins Büro fahren muss.

Meine Frau und ich lieben das Homeoffice, unsere KollegInnen mögen wir trotzdem, aber man kann auch gute Kontakte halten, wenn man sich nicht jeden Tag trifft. Arbeitgeber sollten aus meiner Sicht immer schauen, dass ihre Mitarbeitenden happy sind und Arbeit, Leben und Familie gut zusammenbringen. Je mehr individuelle Flexibilität möglich ist, um so wohler fühlen sie die Einzelnen und leisten aus meiner Sicht motiviert einen maximalen Beitrag für das Unternehmen.

„Glückliche Mitarbeitende bringen die besten Ergebnisse“, hat mir mal die Inhaberin eines großen Familienunternehmens erklärt. Sie hat Recht.

Marina: Ihr habt euch mit kleinen Kindern für ein klassisches Modell entschieden. Was waren eure Beweggründe? Rückblickend hättest du ja auch damals schon mehr Zeit mit der Familie verbringen können. Was hat dich davon abgehalten und wie bewertest du diese Entscheidung heute?

Frank: Ich habe auch damals schon mehr Zeit mit der Familie verbracht als früher, war meist zum Abendessen zu Hause, da habe schon vieles verändert.

Damals war die Digitalisierung noch nicht so weit fortgeschritten, sodass man bei weitem nicht so flexibel von überall arbeiten konnte wie heute. Zudem hat in der Fläche am Ende erst Corona gezeigt, dass sehr viele Dinge auch remote zu erledigen sind und viele Meetings keine Präsenz- oder Reisetätigkeit mehr erfordern.

Wenn wir damals schon so weit gewesen wären wie heute, hätte ich mit Sicherheit schon früher unser aktuelles Modell eingeführt.

Marina: Eltern mit kleineren Kindern vermuten, dass die Kinder ab Schulalter oder spätestens ab weiterführender Schule weniger Zeit der Eltern beanspruchen. Erlebst du das mit deinen Kindern so? Für was und bei was brauchen dich deine Teenies oder auch deine erwachsene Tochter?

Frank: Das ist in meiner Erfahrung ein großer Irrglaube. Meine Mutter sagte immer: „Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen“. Mag abgedroschen klingen, aber Kinder brauchen einen immer.

Die größeren natürlich nicht als Nanny und Helfer, aber dafür als Sparringspartner, Wegweiser, Diskussionspartner, Tröster, manchmal auch Antreiber. Gerade der Wechsel auf eine weiterführende Schule ist kein Kinderspiel, sondern eine echte Umstellung. Während der Corona-Pandemie war das natürlich eine besondere Herausforderung. Da haben meine Frau und ich auch noch gefühlt das LehrerInnen-Diplom erworben.

Ich bin fest überzeugt, nur wenn die Eltern ausreichend Zeit während der Schullaufbahn ihrer Kinder haben, sind konstant gute Ergebnisse möglich und das vorhandene Potenzial des Nachwuchses kann entsprechend abgerufen und gefördert werden.

Bei unseren Teenies läuft es aktuell rund, aber auch weil wir uns kümmern und viel Zeit mit ihnen verbringen. Die hätten wir definitiv nicht, wenn wir beide Vollzeit in einem Büro arbeiten würden.

Marina: Was ist aus deiner Sicht die Grundlage, dass deine Kinder bei Hilfenotwendigkeit auch wirklich zu dir bzw. zu euch Eltern kommen? Woran machst du fest, dass sie das auch definitiv tun?

Frank: Für uns ist nicht die Frage ob sie kommen, sondern dass wir da sind und intensiv an ihrem Leben teilnehmen. Egal was es ist, die Angst vor einer Klassenarbeit, Stress mit einer Lehrerin, Mobbing eines Mitschülers, Computerspiele, der neue Song von Apache 207, die Trennung von zwei InfluencerInnen – wir beschäftigen uns damit, interessieren uns.

Weil wir durch gemeinsames Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie die Zeiten bei den Fahrten zum Sport täglich sehr viel Zeit mit den Kindern verbringen, sind wir immer im Gespräch über alles. Das hilft enorm.

Uns ist auch nichts peinlich, nicht mal das Thema Sex, daher kommen sie auch mal mit Fragen, wo meine Eltern rote Ohren bekommen hätten. Die bekomme ich nicht und daher mache ich mir keinerlei Sorgen, dass das „lebende Google Franky“, wie mein Sohn manchmal scherzhaft zu mir sagt, immer in einem guten Kontakt mit den Kindern hier im Haus bleibt.

Marina: Wäre diese intensive Bindung auch mit weniger gemeinsamer Zeit möglich? Wie definierst du und deine Familie wertvolle gemeinsame Zeit? Habt ihr Rituale, gemeinsame Hobbies?

Frank: Ganz klar nein, mit weniger Zeit hätten wir nicht diese Bindung.

Wir unternehmen viel gemeinsam, wenn ein Kind ein Sportevent oder eine Ballett- oder Musikaufführung hat, rücken wir als komplette Fan-Familie an. Wir spielen auch oft an Wochenenden Brettspiele. Die Siedler-Von-Catan und Monopoly-Schlachten sind bei uns legendär.

Wir sehen uns auch gerne Städte an, gehen gemeinsam ins Kino. Manchmal gehen wir auch als Happening Klamotten shoppen für die Kinder, da könnte man eine Kamera mitlaufen lassen, das ist echt Comedy. 

Was hat sich in der Arbeitsteilung bewährt?

Marina: Hättest du rückblickend etwas anders gemacht? Was sind deine Tipps für Eltern die Familie und Karriere verbinden wollen?

Frank: Die Antwort: „Ich würde alles wieder so machen“ kann ich nicht ausstehen, sie stimmt auch meistens gar nicht. Bei mir auch nicht.

Mit dem Wissen von heute hätte ich mich schon früher selbstständig gemacht, am besten gemeinsam mit meiner Frau. Wir sind ein super Team im Family-Management, wir wären sicher auch ein tolles Agentur-Duo geworden.

Wie wertvoll Zeit ist, wie schnell sie vergeht und wie schnell Kinder groß werden, merkt man leider erst wenn viel Zeit vergangen ist. Da würde ich im nächsten Leben viel früher anfangen, eine Work-Life-Integration umzusetzen.

Mein Tipp an alle Eltern wäre, sich einmal aus dem Alltag rauszuziehen, vielleicht mit einer oder einem externen SparringspartnerIn.

Es gibt keine Beziehung, keine Familie, kein Set-up bei dem alles perfekt für alle läuft. Es gibt immer etwas zu verbessern. Das ist doch ein tolles Ziel, step-by-step immer an Dingen zu arbeiten, um sie zum gemeinsamen Wohl zu optimieren. Ob das jetzt strukturelle Abläufe sind, Routinen die glücklich machen, eine bessere Aufteilung der Arbeiten, damit eine 50:50 Partnerschaft auch wirklich vollumfänglich gelebt wird, es gibt vieles was sich verändern lässt.

Bewährt haben sich dabei auch Pilotprojekte, neue Varianten von eingefahrenen Routinen einfach mal ausprobieren. Wir haben zum Beispiel aufgehört, den wertvollen Samstag mit dem gefürchteten „Wocheneinkauf“ zu verschwenden. Wir erledigen das jetzt nach einer strukturierten digitalen Shopping-Liste on-the-go während der Woche, das klappt super. Den freien Samstag nutzen wir jetzt für Dinge, die uns Freude machen.

Bei allen guten Ideen neuer Modelle sollte man aber immer auch die Konsequenzen bedenken und sich ehrliche Fragen stellen und ebenso ehrliche Antworten geben. Es solle immer klar sein, dass man nicht alles haben kann. Mehr Zeit zu haben für Familie, Freunde, sich selbst hat eben seinen Preis und bedeutet Reduktion auf anderen Ebenen. Aber ich zahle ihn gerne, in dem ich auf diverse materielle Dinge verzichte, die mir im Laufe der Jahre nicht mehr so viel oder gar nichts mehr bedeuten.

Vielen herzlichen Dank fürs Teilen deiner ganz persönlichen Erfahrungen, Frank Behrendt!

Kinder mit zur Arbeit nehmen

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