Phasen der kindlichen Entwicklung
Wie du damit umgehen kannst
Spätestens mit einem Kleinkind kommt man um das Wort “Phase” gar nicht mehr herum. Wie gehst du mit ihnen um, ohne bei jeder neuen Phase wieder bei null anzufangen? In diesem Artikel geht es um Phasen der kindlichen Entwicklung. Ich zeige dir altersunabhängige Grundlagen, damit du besonders sensible Phasen der kindlichen Entwicklung erkennen und die kindliche Entwicklung fördern kannst.
Hier erfährst du:
Welche Phasen gibt es bei Kindern
Welche Phasen gibt es bei Kindern? Typische Phasen der kindlichen Entwicklung sind zum Beispiel Schlafregressionen, Fremdelphase, Autonomiephase, Wut- und Trotzphasen, Wackelzahnpubertät, Schulübergänge und Pubertät. In diesen sensiblen Phasen der kindlichen Entwicklung verändern sich Bedürfnisse, Verhalten und Selbstständigkeit deines Kindes. Sie sind damit wichtige Meilensteine.
Manchmal wird etwas auch für eine Phase gehalten, obwohl es das nicht ist. Ein sehr autonomes, hochsensibles, hochbegabtes, autistisches oder von ADHS geprägtes Kind wächst nicht einfach aus seiner Art der Reizverarbeitung, Intensität oder Selbststeuerung heraus. Deswegen lohnt es sich genau hinzuschauen.
Nach der Phase ist vor der Phase
Viele Eltern suchen nach der richtigen Phase, weil sie endlich einordnen wollen, was gerade los ist. Ist das noch normal? Geht das vorbei? Muss ich etwas tun – oder einfach durchhalten?
Vielleicht willst du dazu weitere Artikel zu autonomen Kindern oder Kindern mit ADHS lesen.
Und oft wissen Eltern sogar schon ziemlich viel. Du hast gelesen, dass Wut wichtig ist, dass Autonomie dazugehört, dass Kinder kooperieren wollen, dass Strafen nicht die Lösung sind. Und dass Bedürfnisse hinter Verhalten stehen.
Alles richtig – und trotzdem stehst du morgens vor einem Kind, das sich nicht anziehen will oder trödelt, während du seit zehn Minuten weißt, dass ihr zu spät seid.
Eine sensible Phase der kindlichen Entwicklung sagt dir noch nicht, wie du in diesem Moment klar bleibst, ohne zu drohen, nachzugeben oder innerlich komplett auszusteigen.
Alter und Phase sind weniger entscheidend als dein Umgang
Ein Kleinkind braucht etwas anderes als ein Schulkind, und Pubertät ist nicht einfach Autonomiephase mit WLAN.
Und trotzdem zeigen Untersuchungen zu Elterntrainings etwas Spannendes: Entscheidend ist häufig weniger das genaue Alter des Kindes, sondern ob Eltern wirksame Strategien lernen, die sich an unterschiedliche Situationen anpassen lassen. Entscheidend ist: Es geht nicht um eine einzelne Technik, sondern um Pakete aus Elternfertigkeiten, Beziehung, Verhalten und elterlicher Selbststeuerung.
In der Forschung zu Elterntrainings werden altersunabhängige Ansätze untersucht, die Eltern dabei unterstützen, ihr eigenes Verhalten, ihre Reaktionen und ihre Sicht auf das Kind zu verändern. Dabei zeigte sich auch, dass es Eltern hilft, Lösungen frühzeitig zu lernen. 1
Typische Situationen:
Wenn du ruhig bleiben wolltest – und doch laut wirst
Dann geht es nicht nur um das Verhalten deines Kindes, sondern auch um deine eigene Regulation. Du lernst früher zu merken, wann du innerlich kippst – bevor aus Führung Druck, Drohung oder Rückzug wird.
Wenn dein Kind nicht hört – und das in dir Alarm auslöst
Die Deutung entscheidet oft über die Reaktion. Ein Kind, das trödelt oder wütet, braucht nicht automatisch mehr Strenge. Manchmal braucht es Struktur, manchmal Hilfe beim Übergang, manchmal eine klare Grenze. Der Unterschied beginnt damit, Verhalten genauer zu lesen.
Wenn du alles erklärst – und trotzdem nichts besser wird
Viele reflektierte Eltern reden sehr viel, weil sie richtigerweise nicht über Macht führen wollen. Aber Kinder brauchen nicht nur Erklärungen wie beim Overexplaining (Link folgt). Sie brauchen Orientierung, Wiederholung, Verlässlichkeit und Erwachsene, die eine Grenze halten können, ohne in Härte zu rutschen.
Wenn du ja sagst, aber nein meinst
Nicht jedes Nachgeben ist falsch. Aber wenn es aus Schuldgefühl, Erschöpfung oder Angst vor Eskalation passiert, verliert dein Kind Orientierung – und du verlierst Vertrauen in deine eigene Führung. Genau hier wird elterliche Sicherheit wichtig.
Wenn du hoffst, dass diese Phase bald vorbei ist
Manche Dinge lösen sich nach der jeweiligen sensiblen Phase der kindlichen Entwicklung. Andere wiederholen sich in neuer Form. Deshalb hilft Abwarten allein oft nicht. Hilfreicher sind Grundlagen, die mitwachsen und euch gemeinsam stärken – als Team: klare Führung, Beziehung, Regulation und ein genauerer Blick auf das, was hinter Verhalten steckt.
Kindliche Entwicklung – gerade dann, wenn Verhalten schwieriger wird
In sensiblen Phasen der kindlichen Entwicklung wird Verhalten oft intensiver, widersprüchlicher oder schwerer einzuordnen. Für Eltern fühlt sich das an wie ein Rückschritt. Dabei zeigt sich in solchen Momenten häufig nicht, dass dein Kind „schwieriger“ wird – sondern dass gerade etwas in Bewegung ist.
Gerade in Zeiten des Lernens und des Umbruchs, die diese sensible Phasen der kindlichen Entwicklung üblicherweise signalisieren, ist es für die Kids wichtig, einen verlässlichen Anker zu haben.
Vermutlich sind es auch genau diese “schwierigen” Momente mit deinen Kindern, die maßgeblich mit beeinflussen werden, ob dein Kind später, wenn es einen Ansprechpartner oder Hilfe braucht, zu dir kommen wird oder eben auch nicht.
Warum es nicht hilft das Ende der Phase abzuwarten
Abwarten klingt manchmal nach Gelassenheit. Im Familienalltag ist es aber oft eher Erschöpfung mit pädagogischem Anstrich. Natürlich gehen viele Phasen irgendwann vorbei. Aber sie verschwinden nicht automatisch spurlos.
Denn während du wartest, lernt dein Kind trotzdem. Es lernt, wie mit Wut umgegangen wird. Wie Grenzen funktionieren. Ob Nähe auch dann sicher bleibt, wenn es schwierig wird. Ob Erwachsene führen können, ohne hart zu werden. Und ob Konflikte Verbindung zerstören – oder ausgehalten und gelöst werden können. Das prägt Kinder nicht nur jetzt, sondern für den Rest ihres Lebens.
Nicht jede Situation braucht sofort eine große pädagogische Intervention. Aber dein Kind braucht wiederkehrende Erfahrungen: Orientierung, Beziehung, Regulation und Erwachsene, die nicht erst dann reagieren, wenn alle am Limit sind.
Kindliche Entwicklung fördern
Die kindliche Entwicklung zu fördern bedeutet nicht, dein Kind möglichst früh möglichst weit zu bringen. Es bedeutet auch nicht, jede Situation perfekt zu begleiten.
Entwicklung braucht kein ständiges Rumnörgeln am Kind, sondern Beziehung, Sicherheit, Orientierung und ausreichend Raum, damit dein Kind wachsen kann.
Du kannst die kindliche Entwicklung fördern, wenn dein Kind erlebt: Meine Gefühle sind nicht zu viel. Grenzen sind nicht lieblos. Fehler sind nicht gefährlich. Erwachsene bleiben auch dann verlässlich, wenn es schwierig wird.
Das klingt einfach. Ist es im Alltag aber oft nicht. Denn gerade in sensiblen Phasen der kindlichen Entwicklung zeigt sich, was Kinder noch nicht allein können: Frust aushalten, Übergänge schaffen, Impulse steuern, sich beruhigen, Bedürfnisse ausdrücken, Grenzen akzeptieren. Genau dort brauchen sie Erwachsene, die nicht alles abnehmen – aber auch nicht erwarten, dass ein Kind schon kann, was es gerade erst lernt.
Mein Blick auf kindliche Entwicklung, Emotionen und Führung
Du hast schon gelesen, verstanden und ausprobiert – aber dieselbe Dynamik entsteht trotzdem immer wieder.
In meiner Arbeit im Elterncoaching geht es nicht um schnelle Erziehungstricks oder Standardtipps für „die Trotzphase“. Mich interessiert, was in eurer Familie wirklich passiert: Welche Situationen kippen immer wieder? Und warum? Auch wenn vielleicht ADHS, Hochsensibilität, Hochbegabung oder starke Autonomie mit hineinspielen. So finden wir gemeinsam heraus, welche Lösungen du brauchst – nicht nur für drei ruhige Tage, sondern langfristig.
Ich verbinde dafür meine Führungserfahrung, meine wissenschaftliche Arbeit zu emotionaler Regulation und einen sehr individuellen Blick auf Familiendynamiken. Denn Kindererziehung braucht keine Methode von der Stange. Sie braucht Klarheit, Beziehung und Lösungen, die auch dann noch tragen, wenn der Alltag wieder laut, müde, stressig oder unberechenbar wird.
Hilfe bei deiner Erziehung
Studien zu Elterntraining
1 Lundahl, B., Risser, H.J. and Lovejoy, M.C. (2006) A meta-analysis of parent training: Moderators and follow-up effects. Clinical Psychology Review, 26(1), pp. 86–104.
Alle Coachiba Blogbeiträge sind selbst verfasst, regelmäßig aktualisiert und umfangreich recherchiert.



