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Anika Schmidt von Freemon über Freelancing und als Mutter selbstständig machen

Im Gespräch

Anika Schmidt über Freelancing

Anika Schmidt und ich sprechen über Freelancing. Sich als Mutter selbstständig zu machen ist eine große Chance verbunden mit einigen Risiken. Hier erfährt du mehr zum Konzept vom FreeMom für selbstständige Mütter, oder Eltern, die es werden wollen!

Wer ist Anika? Anika Schmidt und Lena Pieper gründetenn gemeinsam das Unternehmen FreeMOM! Als HRlerinnen und Mütter bringen sie wertvolle und umfangreiche Perspektiven ein. Sie haben ein wirklich interessantes Konzept entwickelt, welches Müttern, auch Vätern, mehr Flexibilität und Selbstbestimmung bietet. Es geht um Freelancing!

Kommen bei dir eventuell, wie bei mir, auch ein paar Alarmsignale bei dem Wort? Dazu klärt Anika uns gleich im Interview auf, es gibt viele Vorteile, die es Wert sind! Das Konzept ist verprobt, die Plattform zum Match von Freelancerinnen und Unternehmen geschaffen und nun startet FreeMOM durch.

Falls du mich, Marina, noch nicht kennst … Ich berate Eltern und Unternehmen rundum Karriere mit Kindern. Denn Vereinbarkeit muss komplett neu gedacht werden! Bedürfnisoriertiert für die Kinder und natürlich auch die Eltern und ArbeitgeberInnen. Im Blog findest du viele beispielhafte Vereinbarkeitsmodelle in den Let’s Talk Interviews und auf der Website alles zu meinen Tätigkeiten und Referenzen. 🙂

Interview

Marina: Eure Lösung für mehr Flexibilität und Selbstbestimmung von arbeitenden Eltern und vor allem den „working moms“, ist das Freelancing! Wenn ich Freelancing höre, denke ich zuerst an „Scheinselbständigkeit“ – sorry. Warum ist das bei euch nicht so?

Anika: Freelancing hat leider immer noch mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen. Sei es die gemeine Vorstellung, dass Freelancing nur für ITler oder Grafikdesigner geht, dass FreelancerInnen sich nur aus der Not heraus selbstständig machen, oder dass alle FreelancerInnen als digitale Nomaden am Strand von Bali arbeiten … So ist auch die Scheinselbstständigkeit eines dieser Damoklesschwerte.

Unsere Mission ist es mit FreeMOM daher auch, Freelancing als alternatives, lebensphasenorientieres Arbeitsmodell die Sichtbarkeit zu geben, die es verdient.

Denn Freelancing – die freie, projektbezogene Arbeit für Unternehmen – gewinnt immer mehr an Beliebtheit, weil es für viele Menschen immer mehr und besser zu ihrem Leben und den Bedürfnissen passt. So auch beispielsweise für die Zielgruppe der Mütter bietet das Arbeitsmodell Freelancing eine enorme Selbstbestimmung und Flexibilität und in vielen Fällen mehr Vereinbarkeit.

Wichtig ist, dass man Freelancing aber eben als freie, projektbezogene und weisungsungebunde Ressource versteht und die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt werden, dann ist auch die Scheinselbstständigkeit absolut managebar – für FreelancerInnen und vor allem auch für Unternehmen.

Mit FreeMOM unterstützen wir als ehemalige Personalerinnen auch genau dabei, das Verständnis bei Unternehmen und Moms für die Möglichkeiten und Potenziale zu stärken und Fallstricke aufzuzeigen. Es gibt unglaublich viele offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt, die bei genauem Hinsehen, anderer interner Organisation freelance-fähig sein könnten und dem Unternehmen auf neue Art und Weise wichtige Ressourcen und Arbeitskräfte im Fachkräftemangel bringen könnte anstatt die Stellen unendlich lange einfach unbesetzt zu lassen.

Es gibt so viel mehr Arbeitsmodelle ls nur die Unterscheidung zwischen Voll- und Teilzeit. Sei es Jobsharing, Topsharing oder auch Freelancing.

Marina: Freelancing wird häufig gleichgestellt mit operativen Feuerlöschern. Das kenne ich zu gut aus meiner Projektvergangenheit. ArbeitgeberInnen erwarteten manchmal, dass gerade Freelancer 24/7 erreichbar sind und mindestens 50 Stunden pro Woche arbeiten. Wie passt das zu Eurem Konzept für Eltern? Welche Absicherungsmechanismen gibt es für die FreelancerInnen?

Anika: Ja, das ist wirklich ein Punkt. Wir kennen diese Fälle auch. Wir befinden uns hier aber immer mehr in einem Wandel.

Talente sind rar – egal ob intern oder extern. Und glücklicherweise verstehen das Unternehmen immer mehr. Menschen wählen bewusst andere Arbeitsmodelle, wollen bewusst anders und flexibler arbeiten.

FreeMOM möchte Freelancing als wert(e)volle Ergänzung für den Talentpool positionieren, ein Pool, der einem Unternehmen neue Expertise und Kompetenz bringen kann. Und Unternehmen, die sich für FreeMOM als Partner entscheiden, verpflichten sich dank der FreeMOM-Charta bewusst unserem Wert Familienfreundlichkeit.

Freelancing – welche Vorteile bietet FreeMom ?

Marina: Wie funktioniert Euer Konzept genau? Ihr verknüpft die Profile von interessierten KandidatInnen – selbstständige Mütter oder Väter -, mit den mit euch kooperierenden Unternehmen?

Anika: Genau, FreeMOM ist einerseits eine Matching-Plattform, die selbstständige Mütter und familienfreundliche Unternehmen projektbasiert zusammenbringt und anhand unseres intelligenten Algorithmus matched.

Wir legen dabei Wert auf die Übereinstimmung bei Fachskills, aber auch bei Themen wie Vereinbarkeit und Kultur. Unternehmen und Freelancing Moms legen dazu kostenfrei im ersten Schritt ein Profil an, Unternehmen posten anschließend ihre Freelancing Projekte. Freelancing Moms können sich proaktiv bewerben oder Unternehmen können „passende Matches“ kontaktieren.

FreeMOM ist aber mehr als eine reine Matching-Plattform, sondern bietet dann auch End-to End-Services für beide Seiten. Das hebt uns deutlich von anderen freelancing-Plattformen ab.

Das heißt beispielweise, dass für jedes Projekt eine rechtssichere Prüfung auf Scheinselbstständigkeit stattfindet und auch eine Verifizierung der Freelancing Moms. Wir unterstützen bei der Vertragsvereinbarung, Stundenerfassung und übernehmen die Rechnungserstellung und den Bezahlservice.

Denn unser Ziel ist es, beide Seiten zu entlasten und freie Zeit für die wichtigen Dinge zu schaffen. Gerade auch für Mütter mit begrenzter Zeit und/oder die am Anfang ihrer Freelancing-Laufbahn stehen, ist das sehr wertvoll.

Deine eigene Erfahrung: sich als Mutter selbstständig machen!

Marina: Von einer Festanstellung in die Selbstständigkeit ist ein großer Schritt. Sich als Mutter selbstständig machen ist eben auch ein Risiko. Du und deine Co-Gründerin Lena Pieper, seid ihn schon gegangen. Welches sind deine persönlichen Erfahrungen dazu, als Mutter mit 2 kleinen Kindern? Und warum bist du denn Schritt gegangen?

Anika: Eine spannende Frage, die wir jeden Tag je nach Stimmung immer etwas anders beantworten würden. 🙂 Nein, Spaß.

Wir sind tatsächlich einem ähnlichen Weg gefolgt, den wir auch von vielen Müttern unserer Community gespiegelt und bestätigt bekommen. Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit ist oft holprig – 2/3 aller Mütter müssen sich dabei mit weniger zufrieden geben – Einfluss, Einkommen oder Aufstiegsmöglichkeiten.

Diese persönlichen Erlebnisse, die wir auch aus unserer eigenen Biografie teilen, haben uns an den Punkt geführt zu fragen: WOFÜR wollen wir unsere wertvolle Zeit opfern, die wir ja folglich nicht mit den Kindern verbringen und WIE wollen wir diese verbringen. Für uns ganz klar – etwas, mit Impact.

Und da haben wir unsere Herzensmission mit FreeMOM gefunden. Das der Weg mit kleinen Kindern in ein Start-up herausfordernd ist, war uns von Beginn an klar. Aber wir haben uns für „mindful“ statt 24/7 entschieden, beziehungsweise war das von Beginn an klar, dass es nur so funktionieren wird. Es gibt immer mal wieder heiße Phasen, aber es braucht eben auch Fokus für die Kids. Und das geht natürlich in der Selbstständigkeit deutlich besser.

Vorteile der Selbstständigkeit für Mütter

Marina: Als FreelancerIn begibt man sich, ähnlich wie du auch, in unsicheres Terrain. Welche Vorteile sind gegeben, damit sich die Unsicherheiten lohnen? Vowon profitieren selbstständige Mütter bei euch bei FreeMOM?

Anika: Naja Unsicherheit ist immer ein relativ breiter Begriff. Zunächst einmal bist du als FreelancerIn ja sicher in deiner Expertise. Du gehst mit etwas auf den Markt, das du wahrscheinlich gut kannst und anbieten möchtest. Das ist schon mal das größte Pfund.

Sicherheit schaffst du dir auch, indem du die richtigen Grundpfeiler setzt, d.h. einen Stundensatz kalkulierst, von dem du auch gut leben kannst und deine Ausgaben und Vorsorge abdeckst.

Unsicher ist natürlich öfter, wie und mit welchen Kund:innen du arbeitest und das kann natürlich auch schwanken von Monat zu Monat. Das ist aber gleichzeitig auch der Vorteil. Du kannst Projekte und Rahmenbedingungen so gestalten, wie es zu dir und deinem Leben passt.

Es gibt vielleicht Monate oder Zeiten, in denen du sicher mehr arbeiten kannst, feste Betreuung hast o.ä. als in anderen. Das selbst zu gestalten ist eine große Freiheit und selbst zu wählen für welche Aufgaben und Projekten du das tun möchtest.

Natürlich ist das nicht für Jeden etwas – wenn ich nachts nicht ruhig schlafen kann, wenn die Einnahmen nicht save bis zum Jahresende kalkulierbar sind oder ich absolut Probleme habe in die Sichtbarkeit nach außen zu gehen, ist es wahrscheinlich nicht das richtige Modell.

Aber wenn ich damit liebäugele, gibt es auch viele Möglichkeiten hier mehr Klarheit zu kriegen: indem ich es nebenberuflich ohne Risiko teste z.B. in der Elternzeit, indem ich mich informiere etc. Wir bieten z.B. auch einen Kurs „In 30 Tagen zur FreeMOM“ an, in dem wir Mütter Stück für Stück auf dem Weg begleiten.

Die Kundenakquise ist beispielsweise genau der Kern, bei dem FreeMOM unterstützt. FreeMOM reduziert die Notwendigkeit, Kaltakquise machen zu müssen. Es kann die Basis sein, hieraus langfristige Partnerschaften zu finden. Genau das ist unser Ziel.

Selbstständige Mütter: Was müssen sie für Freelancing mitbringen?

­Marina: Was braucht eine „working mum“ oder auch der „working dad“ um als FreelancerIn arbeiten zu können?

Anika: Zunächst einmal ist die erste wichtige Grundlage, dass du eine Fachexpertise hast und kennst, die im Idealfall von einer Zielgruppe gesucht wird. Und die solltest du möglichst präzise definieren – Positionierung ist hier das Stichwort.

FreelancerInnen, die also in einem Feld starten wollen, in dem sie keine Expertise haben, ist wie ein Tischler, der nichts von Holz versteht.

Außerdem bin ich überzeugt, dass es gut ist, eine große Portion Disziplin und Durchhaltevermögen zu haben, denn du darfst und musst als FreelancerIn die Dinge selbst in die Hand nehmen. Wenn du es nicht tust, tut es keiner, wie man so schön sagt. Das ist Segen und Fluch zugleich. Wie ich auch schon erwähnt habe, solltest du auch bereits sein, in die Sichtbarkeit zu gehen, mit deinen Kund:innen zu kommunizieren – und das im Idealfall gerne.

Marina: Kannst du ein exemplarisches Projekt oder mögliche Branchen und Einsatzgebiete für FreelancerInnen bei FreeMOM nennen?

Anika: Wir sind in den Branchen wirklich völlig breit – von PR-Agenturen, Möbelherstellern bis Bergbau findet man auf unserer Plattform alle Unternehmensgrößen und -typen. Da wir uns auf Remote-Freelancing konzentriert haben, kannst du bei uns beispielsweise sämtliche FreelancerInnen in den Bereichen HR, Marketing, Finance, Projektmanagement, IT, Kommunikation, Vertrieb etc. finden.

Marina: Welche Vorteile haben die Unternehmen durch Freelancing? Denn wahrscheinlich ist es ja erstmal teurer als eine Festanstellung …

Anika: Unternehmen haben natürlich einerseits die Möglichkeit, frische Expertise und den Blick von außen für anstehende Projekte oder Herausforderungen zu bekommen und vielleicht auch Talente anzuziehen, die sich in einer Festanstellung nicht für das Unternehmen unterscheiden würden. Gerade für den Mittelstand oftmals ein unterschätztes Potenzial.

Zudem bringen FreelancerInnen nicht nur für das Projekt die Expertise mit, sondern tragen diese in das interne Team. Die Rechnung ob teurer oder nicht, ist tatsächlich auf den zweiten Blick gar nicht so trivial, denn Sozialversicherungsbeiträge und sonstige Lohnnebenkosten, Raumkosten, Recruitingkosten etc. sind alle natürlich für Freelancing nicht relevant im Vergleich zur Festanstellung.

­Marina: Zu guter Letzt: was rätst du berufstätigen Eltern? Als Mutter selbstständig machen?

Anika: Mir persönlich ist es wichtig, dass Familien ein gemeinsames Verständnis haben, wie sie als Ganzes Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit kombinieren wollen und sich Fragen beantworten, welche Flexibilität es braucht, welches Unterstützungsnetzwerk vorhanden ist etc.

Ich habe außerdem gelernt, dass es hilfreich und auch befreiend sein kann, den eigenen beruflichen Karriereweg noch stärker lebensphasenorientiert zu gestalten, in kleineren Steps zu denken, nicht an festen Zielen zu verharren, sondern Karriere neu zu denken.

Vielen Dank Anika Schmidt von FreeMOM für die vielen Informationen zu eurem Konzept, und das Aufräumen rundum potentieller Vorurteile! Eure Mission gefällt mir wirklich sehr und ich wünsche euch und allen Eltern und Unternehmen viel Erfolg damit. 😊

 

Interessieren DICH noch andere Modelle rundum Kind und Karriere?

dann findest du hier im Blog weitere Artikel zu Methoden, wie bspw. Jobsharing. Aber auch Rolemodels, die ihre persönlichen Lebensmodelle vorstellen. Filter einfach im Blog nach der Kategorie „Let’s Talk“. Zu den vielen möglichen Modellen berate ich Eltern und auch Unternehmen

Wenn auch du bessere Wege für deine eigene Vereinbarkeit suchst, melde dich doch einfach für ein kostenfreies Erstgespräch! Hier findest du individuelle Hilfe bei deinen Herausforderungen. Ich freu mich auf dich!

Talk mit Anika Schmidt, Freemom